14. Juni 2012

Die Folgen der Scholl'schen Motivation

Dass Mehmet Scholl so ein guter Motivator ist, hätte wohl kaum einer gedacht. Nach dem Auftaktsieg gegen die Portugiesen und der extrem ausgeprägten Fürsorge für Mario Gomez ("Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss."), folgte eine grandiose Antwort des Mittelstürmers gegen die Niederlande. Gomez netzte zweimal bravurös ein. Dem ersten Tor ging ein Zuckerpass von Bastian Schweinsteiger voraus, Gomez drehte sich in bester Eiskunstlauf-Pirouetten-Manier um den Gegner und schob ein. Auch beim 2:0 fungierte Schweinsteiger als Vorlagengeber. Diesmal verzichtete der angespielte Gomez allerdings auf Methoden einer anderen Sportart und knallte den Ball schlicht in die lange Ecke. Der 26-Jährige führt nun mit drei Treffern in zwei Spielen, gemeinsam mit dem Russen Alan Dzagoev, die Torschützenliste an. Ob es an der Kritik des Freizeitmoderators und Hobbykeglers Scholl lag? Man wird es nie herausfinden. Jedoch traf der zukünftige Bayern II-Trainer mit dieser Aussage im Vorfeld, mag sie noch so unfein gewesen sein, alle Neune. Bleibt nun die Frage, wen sich Mehmet Scholl als nächstes für seine Kritik ausguckt - Müller, Podolski, Özil? Allesamt könnten eine Scholl'sche Leistungssteigerungsmaßnahme gut gebrauchen. Überzeugte doch die Dreier-Offensivreihe am wenigsten gegen Holland. Jedoch gelang es den Mannen von Joachim Löw trotzdem gegen Oranje zu bestehen. Auch, weil ein Bastian Schweinsteiger immer mehr seine Bestform erreicht oder ein Sami Khedira für eine unglaubliche Stabilität im defensiven Mittelfeld sorgt. Ebenso war auf die Innenverteidigung bei der gestrigen Partie wieder  einmal verlass: Robben, Sneijder, Afellay, Huntelaar und van Persie machten - bis zum Ausgleich des Arsenal-Stürmers - keinen Stich. Holger Badstuber und Mats Hummels mausern sich immer mehr zum neuen Traumpaar auf der zentralen Verteidigungsposition. Jogis Jungs nehmen, je länger das Turnier andauert, immer mehr an Qualität zu. Zurecht steht die deutsche Nationalelf unmittelbar vor dem Einzug ins Viertelfinale der Europameisterschaft. Gegen die Dänen am kommenden Sonntag reicht bereits ein Punkt, um das Erreichen der K.O.-Runde perfekt zu machen. Das sollte gelingen.

12. Juni 2012

Die etwas andere Teampräsentation

Der erste Spieltag der Gruppenphase ist rum. Jeder wahre Fan und pseudointeressierte Fähnchenschwinger konnte sich nun ein Bild von den verschiedenen teilnehmenden Nationalmannschaften machen. Manche finden nun die Ukrainer ganz toll, mögen die Russen lieber oder sind ab sofort Fans vom irischen Auswahlspieler Sean St. Andrews. Wer jedoch einen ganz speziellen Blick auf die Historie aller Teams und Länder haben möchte, kommt um diese britischen Videos nicht herum.


[Screenshot: Video "Animated History", The Guardian.co.uk]

11. Juni 2012

Antike versus Zukunft

Welch' gutes Spiel sah man gestern zwischen Spanien und Italien! Die gestrige Partie firmiert zurecht als bestes Spiel der bisherigen (noch jungen) Europameisterschaft. Die Vorzeichen standen jedoch gar nicht so gut: Ließen doch die Aufstellungen eher ein Duell von Moderne gegen Antike vermuten. Trainer Prandelli ließ im variablen 3-5-2 auflaufen und exhumierte zum Erschrecken mancher Virtuosen den Libero. Die Außen im Mittelfeld ließen sich zudem geschickt fallen, sobald die Spanier ihr Offensivspiel aufzogen. Doch kann man, so eine allgemeine These des Stammtischgefachsimpels, nur gegen die Spanier mithalten, wenn man auch mitspielt - und das taten die Mannen um Buffon und Co glänzend. Allen voran Andrea Pirlo im Mittelfeld nutzte seine Freiheiten gekonnt aus, um immer mal wieder einen haargenauen Pass aus dem Fußgelenk zu schlagen. Auch Marchisio und Giovinco machten eine gute Partie. Einzig Mario Balotelli, das enfant terrible der italienischen Auswahl, fiel lediglich durch eine sensationelle Rettung des Balles mit der Hacke und durch eine verschnarchte Chance, als er alleine auf Casillas zu lief, auf. Anders als die Squadra Azzurra ließ Vicente del Bosque seine Mannen im derzeit wohl innovativsten Spielsystem auf den Rasen. Im Stile des barcelonesischen "Tiki-Taki" begannen die Spanier in einem flexiblen 4-3-3 ohne echte Sturmspitze. Der spätere Torschütze Fábregas  stieß immer wieder gefährlich ins Sturmzentrum, ließ sich aber genauso oft auch zurückfallen, um den offensiven Außen Iniesta und Silva Freiräume zu schaffen. Im defensiven Mittelfeld zog Xavi die Fäden und ließ sich von Sergio Busquets den Rücken frei halten. Trotz diesen Bedenken im Vorfeld wurde die Begegnung zu einer hochklassigen. Sämtliche Verfechter des traumhaften Passes kamen auf ihre Kosten. So schnibbelte Andrea Pirlo einen unglaublichen Ball zu di Natale, der eiskalt zum 1:0 einnetzte. Aber auch die Spanier ließen sich nicht lumpen und zeigten ebenfalls, dass sie zurecht als Anwärter auf den Titel gelten. Eine schöne Kombination, garniert von einem Zuckerpass von David Silva und gekrönt durch ein tolles Tor von Fábregas sorgte für den verdienten 1:1-Ausgleichstreffer. Doch auch die Spanier hatten ihre Graupe auf dem Platz: Fernando Torres. Was der wohl - im Preis-Leistungs-Verhältnis gesehen - schlechteste Spieler aller Zeiten ablieferte, war einer EM-Teilnahme nicht würdig. Doch von ihm werden die Spanier nicht abhängig sein: Entweder sie laufen gar ohne Spitze auf oder werfen einfach einen Llorente, Pedro oder Negredo ins Spiel.
Das gestrige #Espita (So lautete der - Achtung, Nerd-Sprache! - Hash-Tag des Spitzenspiels beim kommunikationsfreudigen ZDF): Es war ein tolles Duell zweier Mannschaften mit grundverschiedenen Spielsystemen. Trotz dieses Unentschiedens und dem gleichzeitigen Sieg der Kroaten gegen die Iren werden wohl beide Teams ins Viertelfinale der Euro einziehen. Die einen mit antiken, die anderen mit futuristischen Mitteln - alles andere wäre eine Überraschung. 

Auch erschienen auf SPOX.

10. Juni 2012

Die Emanzipation des Mario G.

Ein jeder ist derzeit im Deutschland-Gewand gekleidet. Rückennummern von Schweinsteiger über Podolski bis hin zu Müller sind in den Menschenmassen zu entdecken. Nur von einem wird kaum das Trikot gekauft: von Mario Gomez. Trotz einer bärenstarken Saison mit 26 Toren in der Bundesliga und zwölf Buden in der Champions League wird der Münchner Mittelstürmer nach wie vor größtenteils belächelt. Ein labiler Stümperer sei er oder nur ein nichtsnutziger Abstauber. "Die Tore die Gomez macht, hätte ich auch noch hingekriegt", heißt es bei beinahe jeder Diskussion über den 26-Jährigen. Gestern aber, beim 1:0-Sieg der Deutschen über Portugal im ersten Vorrundenspiel der Europameisterschaft, unterstrich Gomez, warum es von Bundestrainer Joachim Löw richtig war, auf ihn zu setzen und nicht auf Miroslav Klose. In einem wenig berauschenden Auftritt der deutschen Offensive stach eben nur jener Gomez heraus und markierte mit einem wunderbaren Kopfball - nach Flanke des starken Sami Khedira - das entscheidende 1:0. Nach seiner Auswechslung feierten ihn die Zuschauer mit Standing Ovations, die BILD machte schleunigst aus dem früheren "Versager" einen "Tor-Held" und "Giganten". Vielleicht ist ihm mit diesem so wichtigen Tor nun endgültig der Sprung aus dem Schatten Miroslav Kloses gelungen.
Festzuhalten bleibt nach dem Arbeitssieg gegen Portugal auch die bravuröse Leistung der im Vorfeld viel gescholtenen Defensive. Gomez' Vereinskameraden Holger Badstuber, Manuel Neuer und Jérôme Boateng sowie der Dortmunder Mats Hummels erwischten gestern allesamt einen Sahnetag. Ihnen (und zweimal dem Aluminium) ist es zu verdanken, dass die portugiesischen Angreifer um Cristiano Ronaldo keinen Stich machten. Negativ dagegen fielen die Außenspieler Müller und Podolski auf: zu wenig kam über ihre Seiten. Auch von Schweinsteiger, Lahm und Özil muss eine Leistungssteigerung erfolgen, sonst wird es kommenden Mittwoch schwer, gegen die nach der 0:1-Niederlage gegen Dänemark unter Zugzwang stehenden Niederländer zu bestehen.

9. Juni 2012

Auferstanden von den Toten!

Das Orakel lebt! Krake Paul zieht wieder gefürchtet seine Kreise und prophezeit die Sieger der Europa-meisterschaft - wenn auch nur im Internet.


Für heute Abend ist das Meerestier übrigens sehr optimistisch!

[Bild: Screenshot elpulpopaul.com.ar]

Gina-Lisa als Bundestrainerin?

Heute Abend geht es los: Die deutsche Fußball-Nationalelf trifft im ersten EM-Vorrundenspiel auf Portugal. Die große Frage: Wer stoppt Cristiano Ronaldo? Die portugiesische Truppe ist gespickt mit tollen Spielern, etwa Nani, Meireles oder Pepe. Doch ist das ganze Spiel auf den Star-Angreifer von Real Madrid zugeschnitten. Mit allen Freiheiten ausgestattet, wird ein Kettenhund von Nöten sein, um Cristiano Ronaldos Offensivspiel bestmöglich einzugrenzen. Vielleicht erfüllt diese Aufgabe am besten Philipp Lahm, ähnlich wie im Champions League-Duell der Bayern gegen die "Königlichen". Allerdings nur, wenn Ronaldo über rechts attackiert. Kommt er über die Mitte, trifft es wohl Holger Badstuber. Souverän und abgeklärt, könnte er sich der Verteidigung annehmen. Oder aber, und das ist ziemlich wahrscheinlich, greift Ronaldo über die linke Seite an. Hier läge es an Jérôme Boateng, der trotz der "Gina-Lisa-Affäre" den Vorzug vor dem international unerfahrenden Bender bekommen sollte. Gina-Lisa? 
Das blonde Modell könnte tatsächlich den entscheidenen Ausschlag geben, wer heute Abend auf der rechten Außenverteidigerposition spielt. Boateng traf sich angeblich unter anderem mit der 25-Jährigen an einem freien Tag während der EM-Vorbereitungin einer Hotel-Lobby. Wenn Bundestrainerin Lohfink wirklich so viel Einfluss hätte, stünde dann nicht Loona statt Hansi Flick als Co-Trainerin neben ihr? Oder würde dann nicht ihr aktueller Toy-Boy und "Rapper" Kay-One auf der Zehn die Fäden ziehen und Schmusebarde und Pseudo-Rocker Marc Terenzi im Sturmzentrum die Bälle versenken? Himmel hilf! Die Schnelligkeit Boatengs und seine resolute Art zu verteidigen, könnten ab 20.45 Uhr in Lemberg genau die richtigen Mittel sein, um den 50-Tore-Mann aus Portugal zu stoppen. Schau' mer mal, wie sich Joachim Löw entscheidet.

8. Juni 2012

Roy solls richten

Die Vorzeichen für das englische Team für eine erfolgreiche Europameisterschaft könnten besser stehen: Der Rassismusskandal im Vorfeld und die daraus resultierenden Nichtnominierung Rio Ferdinands, die Sperre von Wayne Rooney für die ersten zwei Partien sowie die Verletzungen von Lampard, Cahill, Barry, Smalling, Bent und Wilshere. Das Team ist nur noch eine Resterampe. Daher sollen die Spieler nun anders beflügelt werden: Mit einer riesigen Statue von Trainer Roy Hodgson! Dieses acht Tonnen schwere und 30 Meter hohe Konstrukt steht neuerdings an den "White Cliffs" in Dover - und ist angeblich noch von der französischen Küste aus zu erkennen. Gebaut wurde das Abbild des Three Lions-Coaches von einem englischen Wettanbieter. 

Die Statue trägt übrigens den Titel: Roy the Redeemer. Ob dieser nun die Engländer von der titellosen Zeit oder den neutralen Fan vom englischen Gekicke erlösen soll, ist übrigens nicht überliefert.

7. Juni 2012

Träume sind Schäume

Soso. Jose Mourinho möchte sich also seinen großen Traum erfüllen und Philipp Lahm verpflichten. Angeblich bieten die "Königlichen" 35 Millionen Euro für den 28-jährigen Kapitän der Bayern. Das dieser allerdings eine tragende Säule des Bayernspiels, Identifikationsfigur, Vorbild vieler kleinen Knirpse und Besitzer eines Arbeitspapiers - datiert bis 2016 - ist, ist dem Portugiesen wohl entgangen. Somit müsste Mourinho sich schon selbst für einen Wechsel entscheiden. Nämlich auf die Trainerbank der Münchner. Somit könnte er sich sogar seinen Traum erfüllen.

Dampfmaschine mit Auszeichnung

Bis vor einigen Monaten hätte man es durchaus verstehen können, wenn einige weniger fußballaffine Menschen, David Alaba nur aufgrund seiner grandiosen Justin Bieber-Imitation gekannt hätten. Doch nach und nach machte der junge Österreicher immer mehr durch sportliche statt gesangliche Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Standen zu Beginn dieser Spielzeit nur einige Kurzeinsätze in Alabas Saisonbilanz, reifte der Linksfuß auf der linken Defensivseite zu einem der besten Spieler seiner Zunft. Bereits 2010 testete Louis van Gaal den damals 17-Jährigen auf dieser Position. Er sei, so der damalige holländische Übungsleiter der Münchner, prädestiniert für die Aufgaben als Linksverteidiger. Alaba sah dies anders: Er gefiel sich besser auf der Position des zentralen Mannes vor der Abwehr oder gar auf Linksaußen. Hier spielte er auch in Hoffenheim, wohin ihn die Bayern, nach einigen mauen Einsätzen, unter anderem gegen Eintracht Frankfurt, ausliehen. Wieder zurück in München, plante auch Coach Jupp Heynckes Alaba auf den Offensivpositionen ein, besonders als Back-Up für Franck Ribéry. Erst eine langwierige Erkältung Rafinhas, Philipp Lahms unglaublicher Flexibilität und die bescheidene Einkaufspolitik auf den Außenverteidigerpositionen zwangen schlussendlich Heynckes zu seinem Glück. Rafinha hütete das Bett, Lahm rotierte von links auf rechts und Alaba nahm von nun an die Aufgaben des Linksverteidigers wahr. Und wie! Es folgten eine Reihe grandioser Spiele des Fußballer des Jahres in Österreich. Er brillierte auf nationalem wie auf internationalem Parkett. Besonders in Erinnerung bleiben die wuchtigen, dampfmaschinenartigen Offensivsprints zur Grundlinie, die abgeklärte Spielweise und vorallem die Nervenstärke im Elfmeterschießen gegen Real Madrid. David Alaba hat sich im Laufe dieser Saison unverzichtbar für die Bayern gemacht und sorgt endlich für ein Ende der leidigen Außenverteidigersuche. Zwischen seinem früheren Konkurrenten auf der Linksaußen-Position Franck Ribéry und ihm herrschte schon früh ein besonderes Verhältnis: Im Champions League-Spiel gegen Florenz 2010 fauchten sie sich noch aufs Äußerste an; kaum zwei Jahre später bilden sie - in voller Harmonie - eine der besten linken Seiten im europäischen Spitzenfußball.
In München reifte "Alabasi" bereits zum Spitzenspieler und Publikumsliebling. Jetzt hat nun auch die deutsche Fachpresse seine geniale Entwicklung und tollen Leistung honoriert: Alaba wurde mit dem Goldenen K des Kickers als "Bester Newcomer der Bundesliga" ausgezeichnet - und das mit über 50% der Stimmen. Herzlichen Glückwunsch, David Alaba!



6. Juni 2012

Ein undenkbarer Abschied?

Heute morgen kamen Gerüchte über einen eventuellen Vereinswechsel von Thomas Müller auf. Er sagte in der Sport Bild, dass er sich einen Wechsel durchaus vorstellen könnte. Vor großen Spielen bzw. Turnieren hielte sich sein Management mit solchen Angeboten zwar zurück, aber die Situation bei Bayern sei momentan nicht so, dass er danach nicht über einen eventuellen Transfer nachdenken würde. Angeblich interessiert sich Inter Mailand für den 22-Jährigen. Müller ist ein wahrer Ur-Bayer: Er durchlief seit 2000 sämtliche Jugendmannschaften des FC Bayern. Im Jahr 2009 gelang im der Sprung in den Profi-Kader. Es folgte ein kometenhafter Aufstieg: Stammspieler unter Louis van Gaal, eine grandiose erste Saison und eine noch bessere Weltmeisterschaft 2010 mit der Auszeichnung als bester Torschütze sowie als bester Nachwuchsspieler. In der letzten Saison spielte Müller phasenweise unter seinem Niveau, was vielleicht auch daran liegt, dass er mit Toni Kroos einen mehr als ernstzunehmenden Konkurrenten auf seiner Position im Mittelfeld bekam. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es erst Müllers dritte Profisaison war und er immer noch erst 22 Jahre alt ist - auch wenn es den Anschein hat, er sei schon ewig dabei. Er gefällt als Identifikationsfigur für den Verein. Auch seine ehrliche und authentische Art ist erfrischend, besonders, wenn er nach Spielschluss freischnauze die Partie für Fernsehanstalten kommentiert. Eigentlich ist Thomas Müller bereits im Bayern-Trikot auf die Welt gekommen. Ob er ein Leben lang für die Roten auflaufen wird, möchte er jetzt noch nicht sagen: "Lebenslang Bayern München? Dazu kann ich seriös erst etwas sagen, wenn ich tot bin", so die Antwort des Nationalspielers. Ehrlich, flapsig und unbekümmert wie immer.

Allerdings hat auch die Chefetage ein Wörtchen mitzureden: Müller hat noch einen Vertrag bis 2015. Die Führungsriege wäre jedoch schön blöd, wenn sie einen solchen Spieler ziehen ließe.

5. Juni 2012

"2:0? Ist ja auch gewonnen!"

Beruflich zog es mich die Tage nach Bremen. Neben der Arbeit die es zu verrichten gab, wurden selbstverständlich die Weser und die Bremer Stadtmusikanten begutachtet. Der Abend allerdings stand im Zeichen der Nationalmannschaft: Gegen Israel stand ein letzter Vorbereitungskick für die in nicht einmal mehr einer Woche beginnenden Europameisterschaft auf dem Programm. Da das Hostelzimmer außer Kakerlaken nichts zu bieten hatte und der norddeutsche Regen mir keine Chance ließ, nach einer vernünftigen Kneipe zu suchen, blieb nur eine Option offen: Eine Spielunke in unmittelbarer Nähe der Unterkunft.

Schon die Inneneinrichtung war alles andere als einheitlich: Neben Wasserpfeifen und Dartscheiben prangerten Fanschals aller erdenklichen Teams. Der MSV Duisburg grüßte genauso von der Bar wie ein Stofffetzen von Denizlispor aus der Türkei. Absolutes Highlight allerdings war eine Büste des ersten Reichskanzlers des Deutschen Reiches Otto von Bismarck aus Porzellan. Eine sehr freundliche Bedienung mittleren Alters nahm sich mir zügigst an: "Wir haben noch zwei Minuten Happy Hour. Das Haake Beck in 0,4 für 1,40 Euro - das müssen se' nutzen!" Dieses unglaubliche Schnäppchen konnte ich mir selbstredend nicht entgehen lassen. Kaum dreißig Sekunden später hatte ich zwar ein frisch gezapftes Bier vor mir stehen, die Distanz zum Fernseher war aber so groß, dass die Herren Lahm & Co auch gut weißgekleidete Ameisen hätten sein können. Gott sei Dank bemerkte die Bardame mein Augenkneifen und hilfloses Starren und fuhr geschwind die Leinwand herab. "Läuft det auf Sky?", fragte sie mich. Ich entgegnete ihr, dass die Partie ausschließlich bei der ARD übertragen wird. "ARD? Hamma nech. Wir ham nur das Erste!"
Nach minutenlangem Zappen war es schließlich vollbracht. Der Beamer warf die Begegnung Deutschland gegen Israel pünktlich zu Spielbeginn an die Wand. Leider erschwerte die unglaublich laute Schlagermusik das Hören der Nationalhymnen. Gelegentliche "Deutschland, Deutschland über alles"-Rufe klangen dennoch hindurch. Das Niveau in der Kneipe war tief - das Spiel konnte also nur besser werden. Der Ball rollte. Hiervon unbeeindruckt versuchte der ansässige Dartverein immer wieder Pfeil für Pfeil auf das Bullseye zu feuern. Nach gespielten 15 Minuten hatten die acht verbierbauchten Proleten, welche von Mandy, einer unförmigen Puderquaste, als Maskottchen unterstützt wurden, genauso viele Bierflaschen geleert. Mit jedem Schluck scheiterten die Versuche immer grandioser. Die Bardame schien mittlerweile verzweifelt, war doch der Vorrat an Flaschenbier bereits aufgebraucht. Doch auch hier wusste sie sich zu helfen und servierte Klopfer en masse. Immerhin waren nun die Klänge von Andrea Berg und Wolfgang Petry verschwunden. So konnte ich nun vernehmen, wie Kommentator Steffen Simon über ein mögliches Vorrundenaus der Deutschen und den sieben bayrischen Schützlingen in der ersten Elf schwadronierte. Bei diesem seichten Geschwätz blieb es leider nicht. Die eingangs erwähnte Mandy schaltete sich ein. Ihr maschinengewehrartiges Geplapper traf leider auch mich. Eine Salve schlug direkt in meinem Gehörgang ein: "Oh, so schade, dass ich und Petzy letztens nicht 32 Stunden durchgefeiert haben!" Uff.
Die Partie dümpelte vor sich hin. Den Deutschen gelangen nur wenige gute Aktionen. Was vielleicht auch an der Tatsache lag, dass Bastian Schweinsteiger das Spiel von der Reservebank verfolgte. Als dieser eingeblendet wurde, grüßte ihn ein Kneipenbesucher, der gerade auf dem Weg zum mit Fußballtor und Ball dekorierten Pissoir war, mit dem Mittelfinger. Hinter mir wurde statt über Manndeckung über das Decken nach der letzten Party gequatscht. Unverständlich, da die Nichtberücksichtigung Mats Hummels für die erste Elf doch von viel größerer Bedeutung hätte sein müssen! 
Aushalten konnte man dieses Klientel nur mit Bier. Meine "Alster"-Bestellung aus süddeutschem Mund löste an der Theke einen frenetischen Jubelschrei aus, der sich erst wiederholt, kurz darauf aber wieder verstummte, als Jérôme Boateng in der 20. Minute beinahe sein erstes Tor im Nationaldress erzielte. Doch statt in die Maschen, klatschte der Ball an den Pfosten. Dieser Knall ließ die Besucher der Spielunke erwachen: Statt den Plan auszufeilen, Mandy zur Hostess auszubilden, fachsimpelten nun Pseudofußballer und Profi-Dartspieler im schlimmsten Stammtischgekeife über die Leistung von Gomez und Konsorten. Als dieser im Vollbild erschien, ließ sich unerwartet ein Gast mit zwei Millimeterhaarschnitt zu selbstkritischen Worten hinreißen: "Jedes Mal nach dem ich beim Friseur war, sehe ich ziemlich beschissen aus." Die 16:9-füllende Ansicht von Mesut Özil ließ seinen Beisitzer ebenso selbstreflektierende Aussagen treffen: "Ich bin Moslem, Alter, ich darf nicht trinken - zumindest donnerstags." Nun denn. Leider passte sich Kommentator Simon dem Niveau der Dampfplauderer im Kneipeninneren an. "Wenn jemand einen gerissenen Faden gefunden hat, dann ist es der der deutschen Nationalelf." Dem bestfrisierten Gomez gelang es in der 40. Minute, das verlorene Stück Garn wiederzuentdecken: Nach Vorlage von Müller netzte der Bayern-Stürmer zum 1:0 ein. Sofort schallten die ersten "Weltmeister, Weltmeister"-Rufe durch den verrauchten Raum. Scheinbar machte sich nun die erste Vorfreude auf die WM 2014 in Brasilien breit... 
Die Halbzeitpause wurde genutzt, um sich über einen scheinbaren kulinarischen Hotspot Bremens auszulassen. Der griechische Schnellimbiss ums Eck sei wohl der beste der Stadt: "Die Portion Pommes und der Gyros krisse für 6 Euro. Das is' so viel, die krisse gar nich alle!"
Die Zweite Hälfte begann munterer, da sich die Israelis nun doch entschlossen hatten mitzuspielen. Neuer rettete zweimal per Flugparade, Özil verpasste das 2:0 im Gegenzug nur knapp. Die Kneipengäste löschten diese heißen Szenen mit neuem, extra in Fässern herbeigeschafften Gerstensaft. Einige Minuten später schob Müller eine 100-prozentige Chance am Tor vorbei. "Hat der Froschfüße?", so der Kommentar meines Nebensitzers. Fortan sollte das Bayern-Bashing bei jeder nur im Ansatz missglückten Aktion eines Roten einsetzen. Er selbst trug eine Vereinsbrille von Bayer Leverkusen, welche Ähnlichkeiten mit den übergroßen Modellen aufwies, die "Posh-Spice" Victoria Beckham zuhauf in ihrem Kleiderschrank bunkert. Ein Castro, Kießling oder auch Rolfes sollten seiner Meinung nach im Kader der Löw-Elf stehen. Nicht, wie von mir angenommen, in einem auf fünfzig Mann erweitertem Aufgebot, sondern in der 23er Auswahl! Dank André Schürrle hatte ich nun auch keine Chance mehr mit Gegenargumenten. Als dieser das 2:0 mit einem satten Distanzschuss erzielte, freute sich unter den restlichen vier Kneipenbesuchern mein Kollege mit dem Bayer-Kreuz im Herzen am allermeisten. Er sprang jubelnd auf, klatschte ab und forderte im gleichen Moment die Ablösung Podolskis auf der linken Seite durch eben jenen Schürrle. "Na siehste? Es geht ja auch ohne Bayern-Spieler! Stammplatz für Schürrle!" Sonst noch etwas? Kitas für alle? ÖPNV für lau? Reiche Eltern für jeden?
Für die letzten fünf Minuten begannen die übrig gebliebenen Kneipengäste hochpolitisch im Jauch'schen Talkrunden-Stil zu diskutieren. Darf man bei einem Spiel gegen Israel die Parole "Sieg" anstimmen? Nach einem Pro-Argument, und dem kurzen Bedenken, dass ja ein rechtsgesinnter Fan ein "Heil" anfügen könnte, kamen sie schließlich doch einstimmig zu dem Entschluss: Man darf. Warum auch nicht. Schließlich hat die Nationalelf ja tatsächlich auch gewonnen. Was der Wirtin wohl zunächst entgangen war, da sie sich mit fragendem Blick zu mir wandte und mich fragte, wie es denn ausgegangen sei. "2:0? Ist ja auch gewonnen!" Na danke für dieses Fazit - und für diesen unvergesslichen Abend.

4. Juni 2012

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes bleibt aus

Der verlorene (oder besser vertriebene?) Sohn kehrt so bald nicht zurück: Gestern verlängerte Mats Hummels seinen Vertrag bei der Dortmunder Borussia um weitere drei Jahre bis 2017. Beim BVB entwickelte sich der frühere Kicker der Bayern-Amateure zu einem Verteidiger von internationaler Klasse. 2008 wechselte er zunächst auf Leihbasis zu den Schwarz-Gelben, ehe sie Hummels für eine Ablöse von 4,8 Millionen Euro fest verpflichteten. Die Führungsetage der Bayern hielt es damals für sinnvoller, einem überteuerten Brasilianer den Vorzug vor einem Eigengewächs zu geben. Breno, damals für satte 12 Millionen aus Sao Paolo gekommen, verbrachte mehr Zeit im Krankenbett oder auf der Bank als auf dem Platz. Immer wieder prophezeiten Hoeneß & Co dem Verteidiger eine goldene Zukunft. Spätestens aber nach der angeblichen Brandstiftung riss der Geduldsfaden: Der Vertrag mit dem Brasilianer wurde nicht verlängert. Vermutlich heuert Breno nun bei Lazio Rom an. Was hätten die Münchner heute für eine Innenverteidigung haben können: Badstuber, Boateng und Hummels. Durch die Verlängerung seines Vertrages ist dieser Wunsch nun in weite Ferne gerückt. Schade, eigentlich.

3. Juni 2012

Welch' weiser Transfer!

Vorgestern gab der FC Bayern die Verpflichtung von Mitchell Weiser bekannt. Der junge Rechtsfuß kommt vom 1. FC Köln und soll in Zukunft die rechte Bayernseite - ob offensiv oder defensiv - beackern. Im Frühjahr diesen Jahres gab der Sohn des ehemaligen Bundesliga-Profis Patrick Weiser sein Debüt für die Kölner. Fachleute betiteln den Transfer als einen für die Zukunft, ist der junge Bursche doch gerade einmal 18 Jahre alt. Doch könnte es ihm, meiner Einschätzung nach, schon bald gelingen, sich als Back-Up für den als Rechtsverteidiger vorgesehenen Phillip Lahm zu etablieren. Zu schwach waren die Leistungen in der vergangenen Saison des bis dato eingeplanten Rafinha auf dieser Position. Die richtige Einstellung bringt die neue Nummer 23 auf jeden Fall schon einmal mit. Sprach er von seinem Wechsel an die Isar doch von einer "riesigen Chance" und einer Herausforderung, die man annehmen müsse. Ein weiser (junger) Mann, dieser Weiser - herzlich Willkommen!

1. Juni 2012

Die Vielseitigkeit des Jérôme B.

Dass Jérôme Boateng ein Mann mit vielerlei Talenten ist, müsste bekannt sein. Mal verteidigt er rechts, mal innen, mal links. Boateng ist abseits des Platzes zweifacher Familienvater und sammelt augenscheinlich Baseball-Mützen. Dass er mittlerweile jedoch auch noch neben dem Verteidigen auf dem Platz eine Tätigkeit im Vorstand ausfüllt, war bis spätestens zu diesem Schnappschuss unbekannt...


[Bild: Screenshot Sport1-Video]