31. Juli 2012

Hoeneß'sche Verbalitäten

Manchmal nimmt er seine Spieler in den Arm, kümmert sich herzlich um sie, wenn sie Probleme haben. So geschehen bei Mehmet Scholl oder bei Sammy Kouffur Mitte der 1990er. Auch gab er so manchen Spielern eine Vertragsverlängerung nach einer schweren Verletzung, obwohl sie diese leistungstechnisch nicht unbedingt verdient hätten, wie im Falle Alexander Zickler vor einigen Jahren. Nicht zu Unrecht haftet Uli Hoeneß der Ruf als herzlicher, gutmütiger Mensch an. Seine Art manche Spieler anzufeuern, ist jedoch nicht immer die eleganteste. Neuestes Opfer der Hoeneß'schen Art zu motivieren, ist Mario Gomez. Erst vor einigen Tagen ordnete der Präsident den Nationalstürmer der Kategorie "gut", aber nicht "sehr gut" zu. Heute legte Uli Hoeneß am Rande des Testkicks gegen eine Auswahl aus Amateurkickern in Ingolstadt nach: "Wenn er sehr gut wäre, wären wir jetzt Champions League-Sieger." Was er jedoch bei dieser unbedachten Aussage vergisst, ist, dass die Münchner ohne die zwölf Champions League-Tore von Mario Gomez wohl nicht ins Finale der Königsklasse eingezogen wären. Man erinnere sich an die zwei Buden gegen Manchester City und deren drei gegen den SSC Neapel in der Gruppenphase. Auch an die Treffer in der K.O.-Phase gegen Basel und Marseille. Nicht zu vergessen das eminent wichtige 2:1 in der 90. Minute im Halbfinale gegen Real Madrid. Ebenso steuerte Gomez 26 Bundesliga-Treffer bei. Ohne seine Tore wären die Bayern nicht Vize-Meister geworden, sondern stünden bestenfalls auf einem Champions-League-Qualifikationsplatz.

Der frühere Manager ist, wie wir wissen, kein Freund von "Puderzucker in den Hintern" blasen. Auch möchte er, dass es in "Zukunft auch mal regnet, wenn die Leistung nicht stimmt". Und spätestens nach der letzten Saison wird auch kein "Spieler mehr in Watte" gepackt. Ob diese persönlichen Verbalattacken allerdings die richtigen Mittel sind, die feinfühlige Nummer 33 der Bayern auf Höchstleistung zu bringen, sei jedoch dahin gestellt. Stattdessen hätte er es Mario Mandzukic und Claudio Pizarro überlassen sollen, Druck auf den Mittelstürmer ausüben zu lassen - und zwar nicht verbal, sondern physisch auf dem Trainingsplatz und dem Spielfeld.

Auszeichnungen für SC-Nachwuchs: Fritz-Walter-Medaillen für Ginter und Däbritz

Tolle Auszeichnung für die Jugendabteilung des SC Freiburg: Matthias Ginter erhielt heute die Fritz-Walter-Medaille in Gold für den besten Fußball-Nachwuchsspieler unter 18 Jahren. Ebenfalls ausgezeichnet: Sara Däbritz von den SC-Frauen. Somit gesellt sich Matthias Ginter zu klangvollen Namen wie Marko Marin und Toni Kroos, die in der Vergangenheit ebenfalls ausgezeichnet wurden und mittlerweile einige Länderspiele unter Joachim Löw bestritten haben. Der 18-jährige Freiburger machte bereits in der Saison 2010/2011 in der A-Jugend-Bundesliga auf sich aufmerksam: In 25 Spielen gelangen ihm satte 14 Tore – und das als Defensivspieler. Es folgten erste Auftritte in der U18-Nationalmannschaft unter Christian Ziege und der DFB-Junioren-Pokalsieg im Jahr 2011. Unter Coach Christian Streich gelang Ginter dann der Sprung zu den Profis des SC Freiburg. Der Nachfolger von Michael Sorg brachte den Allrounder in 13 Spielen - ganze zehn Mal spielte er sogar durch. Ginter dankte es seinem Förderer mit guten Leistungen. So steuerte er etwa das siegbringende 1:0 gegen den FC Augsburg im ersten Rückrundenspiel der vergangenen Saison per Kopf bei. Viele SC-Anhänger betrachten diesen Sieg im Nachhinein als Grund für den Aufschwung und den daraus resultierenden Nichtabstieg.
Doch nicht nur Matthias Ginter wurde mit einer Fritz-Walter-Medaille bedacht: Auch Sara Däbritz von den SC-Frauen bekam für herausragende Leistungen die bronzene Auszeichnung für die beste Spielerin des U17-Jahrgangs. Stets zu gut für die Damen-Jugend, kickte sie mit einer Sondergenehmigung bei der B-Jugend der Herren ihres Heimatvereins mit. Im vergangenen Winter griff dann der SC Freiburg zu und verpflichtete Däbritz für die Frauenmannschaft.
Die Fritz-Walter-Medaille wird jedes Jahr von der gleichnamigen Stiftung in Gold, Silber und Bronze an die herausragenden Talente der U17-, U18- und U19-Jahrgänge in Deutschland vergeben. Die Sieger werden durch eine Jury, bestehend aus Vertretern des DFB-Präsidiums, des DFB-Jugendausschusses und des DFB-Trainerstabes ausgewählt. Die seit der Saison 2004/2005 vergebene Medaille gilt mittlerweile als die angesehenste Auszeichnung im deutschen Jugendfußball. Die Übergabe der mit 20 000 beziehungsweise 10 000 Euro dotierten Medaille findet vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Mannschaft gegen die Färöer Inseln am 7. September in Hannover statt. Tipps, wie man sich am besten auf eine solche Preisverleihung vorbereitet, können sich Matthias Ginter und Sara Däbritz bei Teamkollege Marco Terrazzino holen. Der Neuzugang vom Karlsruher SC bekam im Jahr 2009 ebenfalls die goldene Medaille für den besten Spieler des U18-Jahrgangs des DFB.

[Auch erschienen auf fudder.de]

30. Juli 2012

Fotoshooting und Test-Doppelpack

Wer sich den olympischen Spielen entsagen und schweren Herzens auf chinesische Wunderkinder und deutsche Schwimm-Enttäuschungen verzichten kann, dem seien die nächsten zwei Fußball-Abende ans Herz gelegt. Sport1 hat nämlich erkannt, dass sich Geld immer noch am besten mit Bayern Live-Übertragungen verdienen lässt. Daher überträgt der Sender aus Ismaning das morgige "Paulaner Traum-Spiel" der Münchner gegen eine bunt zusammen gewürfelte Amateurelf in Echtzeit. Einen Tag später senden die Fernsehkameras live vom Betzenberg: Hier stehen sich die Bayern und die Roten Teufel aus Kaiserslautern mit Neuzugang Mohamadou Idrissou gegenüber.



- Dienstag, 31. Juli, 19.45 Uhr auf Sport1: Paulaner Traum-Elf - Bayern München
- Mittwoch, 1. August, 18 Uhr auf Sport1: 1. FC Kaiserslautern - Bayern München

Vor diesem Test-Doppelpack traten die Münchner heute zum obligatorischen Fotoshooting an. Bis auf die neue Gel-Frisur Pizarros (Bild), Dantes hervorstechenden Wuschelkopf (TZ) und Franck Ribérys Spritztour mit dem für die Verletzten David Alaba und Rafinha vorgesehenen Wagen (Merkur), gab es heute nichts Neues von der Säbener Straße.

[Bildquelle: fcbayern.telekom.de]

29. Juli 2012

Mit dem Nachtzug nach Kiew

Bereits einen Monat ist es her, als es mit dem Nachtzug nach Kiew zum Europameisterschaftsfinale ging. Zeit, dass Geschehene noch einmal Revue passieren zu lassen.

Eigentlich sollte unser Nachtzug mit Ziel Kiew bereits um 21.50 Uhr auf Gleis 11 am Berliner Hauptbahnhof ein- und losfahren. Doch daraus wurde leider nichts. Statt es sich bereits gegen Mitternacht in den Liegesesseln gemütlich zu machen, musste der harte Bahnhofsboden herhalten. Immer wieder ließen Lautsprecherdurchsagen unsere fußballbegeisterte Reisetruppe aufhorchen. Doch statt einer Ankündigung, dass der Zug endlich kommt, wurden wir mit Wartezeit abgestraft. Erst eine, dann zwei, dann fünf Stunden. Einige warfen bereits früh die Flinte ins Korn und verabschiedeten sich genervt von dem Gedanken eines Stadionbesuchs. Stellenweise waren wir die einzigen Passagiere auf dem Gleis. Schwierig war nicht nur der harte Boden: Auch die Biervorräte gingen so langsam aus. Mit Schuld daran war ein polnischer Greis, der sich mit unvergleichbarem Charme das ein oder andere Bier erschlich. Auf dem Nachbargleis kam – ebenfalls mit Verspätung – der Zug aus Warschau an. Heraus sprangen singende Deutschlandanhänger, die unsere Elf im Halbfinale gegen Italien leider erfolglos nach vorne gepeitscht hatten. Der angeblich „modernste Bahnhof der Welt" bot dem Reisenden nach Mitternacht nicht einmal mehr seine DB-Lounge an. Stattdessen versuchten die Angestellten es mit Verzehrgutscheinen im Wert von 6x2 Euro. Sehr brauchbar, wenn bereits sämtliche Imbisse und Kneipen im Hauptbahnhof geschlossen hatten. Nach einiger Zeit sprach sich der Grund der Verspätung zu uns durch: Das ukrainische Pendant zur Deutschen Bahn hat in freudiger Erwartung einer Riesenanzahl an deutschen Fans zwölf weitere, uralte Waggons an die Lok gehängt, welche von der Deutschen Bahn-Aufsicht für untauglich erklärt wurden. Sprich: Erst wenn die Waggons abgehängt werden, wird der Zug nach Kiew zugelassen. Wird die Bahn uns tatsächlich die Reise nach Kiew verwehren?

Nach 5 Stunden und 40 Minuten fuhr endlich der D-Zug nach Kiew
ein. 
Leider ohne die zwölf Extrawaggons und somit auch ohne den Schlafwagen, den wir gebucht hatten. Doch statt sich dem Schicksal zu fügen und bedröppelt die Heimreise anzutreten, huschten wir einfach an der nur Ukrainisch sprechenden Schaffnerin vorbei und sicherten uns ein Abteil. Glücklicherweise war es unbesetzt – so konnten wir uns, auch ohne das nötige Extrakleingeld einen Platz verschaffen. Was für ein Chaos hätte wohl geherrscht, wenn Deutschland ins Finale gestürmt und eine Unmenge an Fans auf diesen Zug angewiesen wären? In den Abteilen herrschte nur Platz für drei Personen. Auf den Gängen war ein Nächtigen beinahe unmöglich: Kaum ein Rollkoffer konnte problemlos durch sie hindurch gezogen werden. Ich klemmte mich zwischen Gepäckablage und oberstes Stockbett. Ich hatte zirka dreißig Zentimeter zur Decke und wenn es hoch kommt anderthalb Meter zum Ausstrecken. Bei 1,89 Meter Körpergröße gar nicht so einfach. Trotz der Halbfinalniederlage wollten sich auch andere Deutsche das Spektakel „Endspiel" nicht nehmen lassen. Einige machten statt Deutschland anzufeuern einfach zwei Wochen Urlaub in Kiew, andere präsentierten ihre rosa Schalke-Jerseys auf der Kiewer Fanmeile. Wir passierten Posen, Warschau sowie Lublin und überquerten die polnisch-ukrainische Grenze. Hier standen wir geschlagene drei Stunden. Grund: Der Zug musste mit neuen Fahrgestellen versehen werden, da die deutsche Norm nicht mit der ukrainischen übereinstimmte. Dies geschah in einer abgelegenen Halle. Hier hievte ein Kran den kompletten Zug in die Höhe. Während rauchende Bauarbeiter Hand anlegten wurden unsere Pässe kontrolliert. Doch nicht nur das: Auch meine Kamera fiel dem Militär zum Opfer. Ich hätte angeblich Fotos in diesem abgesperrten Areal gemacht, was verboten sei. Glücklicherweise bekam ich sie nach einem langandauernden Monolog des ukrainischen Soldaten wieder. Die ukrainische Bahn dachte zwar an Bettdecken, aber nicht an einen Speisewagen. Bei jedem Halt auf ukrainischem Terrain versorgten uns zum Glück fliegende Händlerinnen mit Knabbereien und Getränken. Sie verkauften lauwarme Pierogi, kühles Bier und meterlangen Trockenfisch. Nur dank dieser Speisen (und selbst mitgebrachtem Nuss-Nougat-Aufstrich) überlebten wir die gut 30 Stunden andauernde Fahrt auf dieser neugeschaffenen Verbindung Berlin – Kiew überhaupt... Nachts um drei Uhr kamen wir in der ukrainischen Hauptstadt an. Glücklicherweise gelang es uns, eine private Wohnung als Unterkunft zu gewinnen. Günstig in einem Plattenbau mit über 200 Wohnungen gelegen und beschaulich eingerichtet, aber dafür zentral gelegen und mit tollem Blick ausgestattet.

Nach einer geruhsamen Nacht auf der Schlafcouch stand endlich der Endspieltag an. Über schier kilometerlange Rolltreppen gelangten wir zur U-Bahn, welche uns zum Ticket Corner, der in der Nähe des Stadions war, brachte. Hier mussten die vorbestellten Karten für das Endspiel abgeholt werden. Es warteten in Rot gekleidete Spanier auf ihre Billets, ukrainische Anhänger ließen sich mit Italienern ablichten und Fans in russischen Jerseys versuchten übrig gebliebene Tickets zum Höchstpreis an den Mann zu bringen. Für uns lief alles glatt. Nur das wir für die Gutscheine für ein Endspiel mit deutscher Teilnahme nun Karten für die Begegnung Spanien gegen Italien in der Hand hielten. Auch nicht schlecht!


Mittags um zwölf Uhr war die Fan-Zone bereits sehr gut gefüllt. Trommler wirbelten auf der Bühne und unterhielten die verschiedenen Fangruppen. Mädchen mit Stutzen und kurzen Hosen verteilten Werbeartikel und animierten zu guter Laune. Eine Sängerin, ein Abklatsch von Shakira, grölte auf der großen Bühne, wo sich im Vorfeld noch ein Deutscher und ein Engländer auf der PlayStation bekämpften. Von überall erklang der Horror-Ohrwurm „Endless Summer" von Oceana und Frauen schminkten Kinder in den Landesfarben der jeweiligen Teams. An einigen Ecken versammelten sich Fans jeglicher Couleur zu gemeinsamen Trinkaktionen. Spanier zogen durch die Straßen und sangen in lauter Vorfreude einem erneuten Sieg entgegen. Ukrainer und Polen gingen Hand in Hand. Deutsche Fans mit Schweinsteiger, Müller oder Gomez auf dem Rücken stimmten im Minutentakt neue Gassenhauer an: Ob „Deutschland, Deutschland!", „Ohne Deutschland wär‘ hier gar nichts los!" oder „Super Deutschland, olé!" – jeder Fangesangfeinschmecker wäre hier auf seine Kosten gekommen. Auch das mittlerweile etablierte „Humba, Humba tätterrää!" (oder doch lieber „Ufta"?) machte immer wieder die Runde. Nur von den italienischen Anhängern hörte man beinahe nichts. Ein Fan aus Greifswald sagte mir, dass „bis zu 25 000 Deutsche" in der Stadt seien. „Von den Spaghetti-Essern (sic!) seien jedoch gerade einmal 3000 da." Neben den angesprochenen Fußballtouristen erkannte man einige Nacktdemonstrantinnen, die schleunigst – und vor allem rabiat – von der Polizei entfernt wurden. Im Gegensatz zu der ca. 50 Meter langen Ansammlung an Infoständen, welche stumm für eine Befreiung Julia Timoschenkos protestierten. Nach einer kurzen Mittagspause mit feinster Rindszunge, fettigem Saumagen, Zwiebelringen, Unmengen an Bier und vielen Gesprächen mit polnischen Fans („Our team sucks, but your team was very good, but: Deutschland, Deutschland alles ist vorbei!") und deutschen Kollegen, die zu viert auf der Hinfahrt einen Großteil ihrer 95 Dosen Bier verbrauchten, ging es in Richtung Kiewer Olympiastadion.


Hier feierten Fans in deutschem Gewand mit rot-gelber Wangenbemalung mit Anhänger in rotem Jersey mit
schwarz-rot-goldener Farbe im Gesicht. Wer hätte das noch 2010 gedacht, als Spanien uns in Südafrika aus dem Turnier schoss? Ein Algerier sprach mich an. Er zeigte auf mein weiß-schwarzes Shirt, hob den Daumen und fügte in gebrochenem Deutsch hinzu: „Ich liebe die deutsche Mannschaft. Ich bin ein großer Fan seit ich diesen Schneider das erste Mal gesehen habe." „Bernd Schneider?", fragte ich ungläubig und bekam die leidenschaftliche Antwort: „Bernd Schneider. Ein wahrer Fußballgott!" Aus meinen Überlegungen, Bernd Schneider vielleicht doch in den Fußball-Olymp zu hieven, holten mich Musiker, die uns noch einmal mit „Smoke on the Water" einheizten, bevor es dann endlich ins Stadion ging. Leider waren unsere Karten mit einer Sichtbehinderung versehen. Ein riesiger Betonblock sorgte für eine schlechte Sicht. Doch war das Stadion, anders als angekündigt, nicht ausverkauft. So konnte sich unsere Reisetruppe einige Reihen weiter unten niederlassen. Hier trafen wir auf viele Fans der deutschen Mannschaft. Wir feierten Jogis Elf, warfen gemeinsam mit Bierdeckeln und stimmten immer wieder „Deutschland, Deutschland"-Rufe an. Ich behaupte, wir versprengten Deutschlandfans haben mehr Stimmung gemacht, als die Anhänger der Squadra Azzurra. Auch auf dem Platz war bei den Italienern tote Hose. Friedrich aus Berlin, der sechs Stunden vor Abfahrt seines Zuges noch gar nichts von seinem Stadionbesuch in Kiew wusste, bescheinigte dem Italo-Star Balotelli eine „ziemlich blasse Vorstellung". Auch Pirlo, Cassano und Buffon erwischten einen rabenschwarzen Tag. Gegen glänzend aufspielende Spanier setzte es eine 4:0-Niederlage. Xavi, Casillas & Co feierten sich auf dem Rasen, die Organisatoren erhellten den Nachthimmel mit einem imposanten Feuerwerk und die Anhänger der Furia Roja jubelten auf den Rängen ihren Helden zu. Anders sah es außerhalb des weiten Rundes aus. Hier feierten die Spanier alles andere als ausgelassen. Es herrschte beinahe Feierroutine. Wie selbstverständlich marschierten sie durch das Turnier und sicherten sich den dritten Titel nach 2008 und 2010. Nur „Cheftrommler" Manolo, der Mann mit der Trommel, welcher angeblich noch kein Spiel der spanischen Mannschaft verpasst hat, war derjenige, der für Stimmung im spanischen Fanlager sorgte. Den Rest an Festivität besorgten – natürlich – die Deutschen. Was für eine grandiose Party wäre wohl gestiegen, wenn Jogis Jungs den Pokal geholt hätten?

Nach einem weiteren Tag Sightseeing in Kiew ging es wieder für geschlagene 26 Stunden in den Zug. Diesmal war jeder Waggon da. Nach lustigen Begegnungen mit ukrainischen Gastarbeitern und einer devoten Schaffnerin waren wir gegen Vormittag mit nur einer halben Stunde Verspätung in Berlin angekommen. Hier hatten wir sogar Gelegenheit unsere Verzehrgutscheine für ein feines Frühstück einzulösen. Welch‘ schöner Abschluss einer tollen Reise!


[Bilder: Tobias Ilg]

Auch erschienen bei SPOX.com.

28. Juli 2012

Zäher als Kaugummi

Die Suche nach einem neuen Sechser dominiert nach wie vor die Münchner Gerüchteküche. Scheinbar haben sich die Verantwortlichen auf Martinez geeinigt, der allerdings erst wechseln darf, wenn ein Verein 40 Millionen Euro auf den Tisch legt. Das bestimmt nicht nur der Manager von Athlétic Bilbao, sondern eine im Vertrag eingearbeitete, in Spanien übliche, festgeschriebene Ablösesumme. Diese stellte die Münchner bei einem letztjährigen Transfergeschacher ebenso vor Probleme. 2003 war es, als Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sich in La Coruna zu Verhandlungen mit dem Präsidenten von Deportivo Augusto Cesar  Lendoiro trafen. Dieser verlangte damals deutlich mehr Geld vom Bayern-Vorstand als diese zu zahlen bereit waren. Immer wieder pochte Lendoiro auf die festgeschriebene Ablösesumme von 60 Millionen Euro in Makaays Vertrag. Auch damals waren sich die Münchner einig, diese Summe nicht zu zahlen. Der Transfer des Tor-Phantoms zog sich hin wie ein Kaugummi, phasenweise drohte er gar zu platzen. Erst das offensive Auftreten und Farbe bekennen des Niederländers ("Über Bayern hört man nie etwas Negatives, da wird immer pünktlich gezahlt, da ist alles klasse. Die Münchner sind ein Superclub.") sorgte schließlich für einen Transfer und für 78 Tore in 129 Bundesligaspielen. Bayern überwies schließlich 18,75 Millionen Euro statt dem gewünschten dreifachen Betrag. Die obligatorische Ausstiegsklausel entpuppte sich als reines Taktierinstrument. Vielleicht sollten Sammer & Co vielmehr eine eindeutige Aussage und somit einer Entscheidung des Spielers forcieren. Martinez bisherige Kommentare lassen nach wie vor Platz für Spekulationen. Es wird Zeit, dass er sich endgültig zu einem Verein bekennt. Es wäre für alle drei Parteien, Javi Martinez, Athlétic Bilbao und den FC Bayern München, eine Erleichterung. 

Im Martinez-Poker brachte der heutige Tag folglich keine Entscheidung. Unterdessen zeichnet sich eine weitere interessante Möglichkeit ab, welche womöglich die "königlichste" Lösung wäre - im wahrsten Sinne des Wortes. Das intensive Interesse Real Madrids - und besonders José Mourinhos! - an Luca Modric lässt deren Defensiv-Chef Sami Khedira wohl über einen Wechsel nachdenken. Im Mai verwies er einen Transfer zwar noch ins Reich der Fabeln, doch da stand auch noch nicht der Wechsel des kroatischen Ausnahmespielers kurz vor dem Abschluss. Kaum wurde dies publik, bekundete der AC Milan sein Interesse. Khedira solle für Modric "geopfert" werden, so italienische Medien. Sollte der deutsche Nationalspieler wirklich wechselwillig sein, müssten die Bayern sofort zuschlagen. Khedira neben Schweinsteiger auf der Doppel-Sechs? Dieser Gedanke wäre wohl mindestens 40 Millionen Euro wert. Doch auch in diesem Fall würde die leidige Ausstiegsklausel in Khediras Vertrag den Münchnern Kopfschmerzen bereiten: Diese beträgt beim 25-Jährigen nämlich nicht 40 Millionen Euro wie bei Martinez, sondern exorbitante 150 Millionen Euro!

27. Juli 2012

Das "steife Bein" der Bayern

Gestern schaffte es die Bild eine E-Mail des ehemaligen Bayern Co- und Amateurtrainer Andries Jonker, die für den FC Bayern bestimmt war, an die Öffentlichkeit zu bringen. Diese Nachricht strotzt nur so von Rechtsschreibfehlern, doch hat sie auch einige wahre Dinge zum Inhalt. Neben nicht zu beurteilenden Sachlagen die vom eigentlich ruhigen Holländer thematisiert werden, wie einer möglichen Versetzung in die U-19 oder Diskrepanzen zwischen ihm und den neuen Jugendleitern Hans-Jörg Butt und Michael Tarnat, bringt Jonker auch ernsthafte Probleme ans Tageslicht. So fehle den Münchnern eine einheitliche Philosophie und Organisation im Jugendbereich. Das "steife Bein" des "goldenen Fußallpferdes" Bayern München sei, laut Jonker, die Jugendarbeit. Die drei weiteren Beine ("Profibein", "finanzielle Bein" und "kommerzielle Bein") würden das lahme Bein einfach mitschleppen. Harte Kritik vom Niederländer, der insgesamt drei Jahre im Verein tätig war. Bis zur Verpflichtung van Gaals und jenen Jonkers war es um den Jugendbereich eher still. Erst durch den Hang zur Talentförderung der zwei Niederländer bekamen ein Müller, ein Badstuber oder ein Alaba überhaupt erst die Chance, im Profikader Fuß zu fassen. Zwar gewann die Reserve des FC Bayern 2003/2004 die Regionalligameisterschaft, fortan machte sich aber ein schleichender Abstieg bemerkbar. Kaum ein Talent gelang der Sprung in die erste Mannschaft der Münchner. Und wenn doch, dann wurde es beinahe reflexartig verkauft, wie etwa bei Misimovic, Ekici oder Hummels geschehen. Es fehlte an einem Konzept zur Jugendförderung. Ein einheitliches Spielsystem im Jugendbereich? Nicht vorhanden. Alteingefahrene, verkrustete Prinzipien, keine neuen Anreize: Die Mannen um den damaligen Jugendchef Werner Kern beharrten auf ihr traditionelles Arbeiten. Trauriger Höhepunkt der Negativ-Entwicklung war der Abstieg der Bayern Reserve aus der 3. Liga in die Regionalliga Süd im Jahr 2011. 
Auch Jonker gelang es vergangenes Jahr nicht, den direkten Wiederaufstieg zu realisieren oder einen bleibenden Eindruck im Jugendbereich der Münchner zu hinterlassen. Aus Wut zog er nun lieber weiter nach Wolfsburg, um dort Felix Magath zu assistieren. Metaphorisch ausgeklügelt fügt er am Ende seines Briefes hinzu, dass der FC Bayern, das "potenzial beste und schnellste Pferd der Fußballwelt", wohl nun bessere Zeiten entgegenblicken könne. Ein neuer Reiter sei gekommen. Und dieser wird "machen das es Philosophie, Organisation, Inhalt und Voraussetzungen gibt". Nehmen wir Andries Jonker beim Wort und hoffen, dass mit Matthias Sammer als innovativen Jugendförderer und mit der Hilfe seiner Kollegen Mehmet Scholl, Michael Tarnat und Hans-Jörg Butt das vierte Bein schnell gesundet, um das "goldene Fußballpferd", wie der 49-Jährige so schön sagt, wieder in vollem Glanze erstrahlen zu lassen. Die ersten Schritte sind bereits getan.

25. Juli 2012

Not auf den Außen

David Alaba fällt laut neuesten Informationen für rund zwei Monate mit einem Ermüdungsbruch im linken Fuß aus. Diese Verletzung erlitt der Österreicher im Testspiel gegen den SSC Neapel. Auch auf der rechten Seite gibt es eine Verletzung zu vermelden. Rafinha erlitt in der selben Prtie einen Bänderiss und fehlt den Münchnern vier bis fünf Wochen. Somit sind die Probleme auf den Außenverteidigerpositionen, die eigentlich mit der Ideallösung Lahm auf rechts und Alaba auf links zu den Akten gelegt werden sollten, wieder akut. 
Nichtsdestotrotz muss Trainer Jupp Heynckes bis zum Saisonstart eine Lösung finden. Wechselt Lahm nun vorübergehend  wieder auf links und Jerômé Boateng verteidigt rechts hinten? Vielleicht darf sich aber auch Neuzugang Mitchell Weiser auf dieser Position versuchen. Oder aber Diego Contento, dessen Vertrag erst kürzlich bis 2016 verlängert wurde, bekommt seine ultimative Chance, Alaba zu vertreten, während Lahm weiterhin die rechte Seite beackert. Vielleicht zeichnet sich aber auch eine überraschende Lösung ab: Neuzugang Xherdan Shaqiri könnte diese Position ebenfalls bekleiden. Beim FC Basel lief er einige Male als linker Verteidiger auf und bekam ausschließlich positive Kritik. Sein ehemaliger Teamkollege vom FC Basel Alex Frei prophezeit ihm gar eine Weltkarriere, wenn er sich für diese Position entscheiden sollte. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge schloss indes eine Lösung durch einen Spielerkauf via Sport-Bild aus: „Wir werden keinen neuen Spieler als Außenverteidiger verpflichten. Sowohl Rafinha als auch David Alaba fallen nicht solange aus, dass sie nicht bis zum Saisonstart zurück sind. Ein Transfer wäre idiotisch.“
Verletzungen sind immer bescheiden. Der Kader der Münchner ist jedoch so gut aufgestellt, dass er solche auf beinahe jeder Positionen - zumindest zeitweise - kompensieren kann. Nur die linke Defensivseite, stellt - bei Ausfall Alaba - nach wie vor die die Achillesferse der Münchner dar. Wie wichtig der Shootingstar als Linksverteidiger ist, konnte man in den K.O.-Spielen der letztjährigen Champions League-Saison beobachten, als er eine Weltklasse-Partie nach der anderen ablieferte. Glücklicherweise sind es noch knapp fünf Wochen hin bis zum Saisonstart. Dies ist aber auch der einzige positive Grund, dass die Liga erst so spät beginnt.

24. Juli 2012

Werbung in eigener Sache

Auf ihrer China-Reise legen sich die Bayern besonders abseits des Platzes ins Zeug. Beinahe jeder Autogrammwunsch wird erfüllt, kein Mikro für Kurzinterviews ausgelassen. Es wird stets gelächelt und das Victory-Zeichen in die Luft gestreckt. Auch werden neben den eigenen Trainingseinheiten kleine Jungkicker mit Spaßtrainingseinheiten beglückt. Mal tricksen mit Shaqiri? Kein Problem. Zweikämpfe mit Gustavo? Sowieso. 1,34 Milliarden Chinesen sind mindestens genauso viele potenzielle Käufer eines Bayern-Trikots. "Ich denke, dass wir einen weiteren Schritt zur Globalisierung des FC Bayern beitragen können", so Präsident Uli Hoeneß. Das Ziel der Fernost-Reise somit klar definiert.
Doch auch auf dem grünen Rasen zeigten die Münchner heute beim Testkick gegen Beijing Guoan eine engagierte - und vor allem herzliche! - Leistung. Beinahe mit schlechtem Gewissen nahm beispielsweise Mario Gomez bei seinem Tor zum 6:0 den gegnerischen Verteidiger liebevoll in den Arm. Generell zeigte der deutsche Nationalstürmer eine gute Leistung. In der zweiten Hälfte gar Kapitän, trug er neben dem angesprochenen Tor noch einen Assist bei. Doch der Reihe nach: Trainer Jupp Henyckes schickte wie erwartet Boateng als Lahm-Ersatz auf den grünen Rasen. Neben ihm verteidigten Dante, van Buyten und Contento. Im Mittelfeld starteten Timoschtschuk und Kroos auf der Doppelsechs sowie Robben, Shaqiri und Ribéry auf den Offensivpositionen. Im Sturm durfte sich Claudio Pizarro austoben, der sein Vertrauen mit einem Kopfballtor rechtfertigte. Auch trafen in Halbzeit Eins ein Pekinger Verteidiger unglücklich ins eigene Tor und Arjen Robben per Kopf. Zur zweiten Halbzeit gab es acht Spieler- und ein Systemwechsel. Unter anderem verteidigten nun Weiser auf rechts und Badstuber zentral neben Dante. Der schon erwähnte Gomez bildete mit Mandzukic fortan eine Doppelspitze, während Müller jetzt über rechts und Shaqiri über links stürmten. Eine durchaus interessante Variante, welche dem Münchner Spiel mehr Flexibilität verleihen könnte. Mario und Mario harmonierten gut, profitierten aber auch von der Spielfreude der offensiven Außen. Erst erhöhte Müller zum 5:0, dann ließ "Kraftwürfel" Shaqiri seine Schnelligkeit nochmals aufblitzen und bereitete den Endstand durch Gomez ansehnlich vor. Die chinesischen Fans waren beeindruckt. Sicherlich auch, weil die Bayern mit chinesischen Lettern auf dem Rücken aufliefen. Was tut man nicht alles für Aufmerksamkeit in Fernost. Das muss man der Merchandising-Abteilung der Bajuwaren ja lassen: Sie wissen, wie man aus solchen Spaßveranstaltungen Geld macht und die "Marke FC Bayern" verkauft.

Diese gewonnenen Yuan bzw. Euro könnten direkt in das Angebot der Münchner für den Basken Javi Martinez fließen. Denn nun ist dieser, nach der Absage von Lars Bender, wieder auf Platz Eins der Prioritätenliste gerückt. Und Atlétic Bilbao beharrt nach wie vor auf eine Ablösezahlung von 40 Millionen Euro.

23. Juli 2012

Gesucht: Ein junger Sammer

Die Bayern sind auf der Suche nach einer Kante, einem Defensivspezialisten, der Dreck frisst, die Ärmel hochkrempelt und aggressiv vorweg geht. Eigentlich genau so einen Typ Spieler, wie es Münchens Sportvorstand Matthias Sammer war, als er noch selbst auf dem grünen Rasen stand bzw. diesen umpflügte. Ob es diese Spezies Fußballkämpfer überhaupt noch gibt?


Auch ein Bender hat seinen Preis

Nun also doch: Der FC Bayern ist an einer Verpflichtung von Lars Bender interessiert. Wie Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach der Ankunft in Peking mitteilte, gäbe es für einen Spieler "immer einen Preis" - ein Dementi klingt anders. Zudem ließ er in diesem Zusammenhang vielversprechend durchklingen, dass Karl Hopfner nicht ohne Grund auf die Reise nach Fernost verzichtet habe.
Lars Bender, der bei der vergangenen Europameisterschaft auf sich aufmerksam machte, gilt als einer der favorisierten Spieler von Matthias Sammer. Nicht nur, weil der Sport-Vorstand in dem jungen Leverkusener vielleicht ein Abbild von sich selbst sieht, sondern  vielmehr, weil Bender in den letzten Spielzeiten mit starken Leistungen in der Bundesliga auf sich aufmerksam machte. Ebenso verkörpert er, wie kaum ein anderer Defensivspieler, die Eigenschaften, welche die Münchner suchen: Ehrgeiz, Wille, Kampfbereitschaft. Auch Trainer Jupp Heynckes, der Bender zwei Jahre lang in Leverkusen coachte, hält große Stücke auf den 23-Jährigen. Wohl vorausschauend schickte er diesem nach seinem Torerfolg gegen Dänemark eine Glückwunsch-SMS. Das wiederum verärgerte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sehr, der sich öffentlich nicht nur über Heynckes neue Fähigkeit Kurzmitteilungen zu tippen wunderte, sondern auch über die forschen und offensiven Lobhudeleien des Münchner Übungsleiters. 
Noch ist der Transfer des gebürtigen Rosenheimers nicht in trockenen Tüchern, doch deutet einiges auf eine Verpflichtung hin. Die Causa Martinez ruht seit einigen Tagen. Die Bayern sind nicht bereit, die geforderten 40 Millionen Euro Ablösesumme zu investieren. Auch das kolportierte Interesse an den Italienern Pirlo und Marchisio wurde in das Reich der Fabeln verwiesen. Gestern erweiterte Sport1 die Liste potenzieller neuer Sechser um Nigel de Jong. Ob der als aggressiv (und gelegentlich unsportlich) geltende Holländer wirklich auf dem Radar der Münchner ist, darf jedoch bezweifelt werden.
Auch wenn Holzhäuser einen Wechsel Benders in seine bayrische Heimat kategorisch ausschließt, wird in diesem Poker das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Umso besser, denn ein Bender würde dem Münchner Zentralverbund gut zu Gesicht stehen. Beispielsweise könnte sich Bastian Schweinsteiger wieder vermehrt auf das Überbrücken von Verteidigungs- und Angriffsspiel konzentrieren, da sich der Neue vollends den Defensivaufgaben widmen würde. Dennoch sollten sich die Bayern treu bleiben und keine Unsummen in diesen Transfer investieren. Ein Spieler hat, wie wir von Kalle Rummenigge gelernt haben, seinen Preis - jedoch sollte dieser im Falle Bender die 18 Millionen Euro-Marke nicht überschreiten. 

Übrigens: Bisher ist glücklicherweise noch keine Koan-Bender-Aktion der Münchner Ultras überliefert - und das, obwohl Lars Bender eine blaue Vergangenheit umweht. Hoffentlich bleibt dies auch so. 

21. Juli 2012

Ob die Bayern da nicht...

ausversehen den falschen Baseler verpflichtet haben? In einem Interview mit dem schweizerischen Boulevardblatt Blick gab der Neuzugang von Borussia Mönchengladbach zu Protokoll, dass er sich schon auf ein Duell mit den Münchnern freue - er sei "ja auch Bayern-Fan"! Was diese Transferperiode verhindert blieb, kann ja noch werden. Vielleicht sorgen ja gute Leistungen und die Überredungskunst des schon bei den Bayern kickenden Xherdan Shaqiri für einen baldigen Transfer des Gladbacher Eidgenossen zu seinem Lieblingsverein. Was wiederum Trainer Lucien Favre nicht sonderlich schmecken dürfte. Jedoch ist auch dies nicht von allzu großer Bedeutung: Kann sich dieser ja ebenfalls gut vorstellen, bald auf der Münchner Trainerbank Platz zu nehmen - eine extra eingefügte Klausel im Vertrag machts möglich.

Granit Xhakas Sympathiebekundungen für den FCB könnt ihr bei 1'40 im folgenden Video selbst begutachten:


[Vielen Dank an Clemens für den Hinweis!]

20. Juli 2012

Härtetest verloren - Neuzugang gewonnen?

Der erste ernsthafte Test der Saisonvorbereitung endete mit einer 3:2-Niederlage für die Bayern gegen den SSC Neapel. In Trentino trafen für die Münchner David Alaba und Xherdan Shaquiri. Letzterer glänzte mit einem wunderbaren Freistoßtor aus 16 Metern. Für die Italiener netzten Cannavaro per Seitfallzieher, Pandew und Insigne ein. 
Bayern-Coach Heynckes stellte gleich vier Neuzugänge auf: Das Tor hütete Starke, neben Kapitän van Buyten verteidigte Dante, Shaqiri zog auf der Zehn die Fäden und Mario Mandzukic versuchte sich als alleinige Spitze. Die Bayern dominierten bereits zu Beginn die Partie. Schnell sorgte der engagierte Alaba, welcher kurz vor der Pause angeschlagen raus musste, für die Führung. Nach und nach kamen die Napolitaner besser ins Spiel und somit zum verdienten Ausgleich. Nach der Pause dröppelte das Spiel vor sich hin. Bei den Bayern kam Emre Can ins Spiel und gab den Rechtsverteidiger. Pizarro ersetze Mandzukic - blieb jedoch ohne nennenswerte Chance. Auch das im Februar von Bröndby IF verpflichtete dänische Talent Pierre Emile Hojbjerg durfte erneut mit den Profis auflaufen. Der 16-Jährige machte mit einigen Dribblings im linken Mittelfeld auf sich aufmerksam und zeigte insgesamt eine ordentliche Leistung. Torhüter Tom Starke parierte einige Male glänzend. Trotzdem fing sich der ehemalige Hoffenheimer noch zwei weitere Gegentreffer. Kurz vor Schluss gelang van Buyten beinahe noch der Treffer zum 3:3 - doch der Ball hüpfte am Torpfosten vorbei. Aufgrund der vielen Trainingseinheiten in den letzten Tagen, fehlte die nötige Kraft für das letzte Aufbäumen. Somit kassieren die Münchner ihre erste Niederlage in dieser Saison.
Mit dem Test gegen den SSC Neapel endet das Trainingslager in Trentino. Am Sonntag starten die Münchner ihre China-Reise. Nicht dabei sein werden Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Beide sollen laut Heynckes in München ein individuelles Aufbauprogramm absolvieren. Die Einnahmen des Tests gegen Neapel wurden gespendet - vielleicht wurde die Partie aber er auch für eventuelle Transferverhandlungen genutzt: Nach der Absage von Javi Martinez und dem Dementi gegenüber einer Verpflichtung von Lars Bender, brachten letzte Woche verschiedene Medien Gökhan Inler, derzeit im defensiven Mittelfeld der Hellblauen tätig, ins Gespräch. Der Marktwert des schweizerischen Nationalspielers wird auf 16 Millionen Euro taxiert. Ob Nationalmannschaftskollege Shaqiri ein Wort für die Münchner einlegen würde? Sicherlich. Wichtig zu klären wäre jedoch vielmehr, ob Bastian Schweinsteiger überhaupt Lust auf seinen neuen potenziellen Partner im defensiven Mittelfeld hätte. War es doch Inler, mit dem Schweinsteiger im November letzten Jahres während eines Luftkampfes zusammenstieß und sich dabei unglücklich das Schlüsselbein brach. 

Dem Buhlen erlegen

In jeder Transferperiode konnte man sich sicher sein, dass in irgendeiner Zeitung das Gerücht kursiert, Hamit Altintop stehe kurz vor einem Wechsel in die Türkei. Immer wieder erwiesen sich diese Nachrichten als reine Spekulationen. Was nicht zuletzt an der kreativen und erfindungsreichen türkischen Sportpresse lag. 
Statt direkt aus Wattenscheid, wo der geborene Gelsenkirchener das Kicken erlernte, den Weg in das Land seiner Wurzeln zu suchen, zog es Altintop lieber zum FC Schalke 04. Hier machte er nicht nur mit seinen zwei sehenswerten Buden im ersten Profi-Spiel auf sich aufmerksam, sondern spielte sich aufgrund guter Leistungen fix in das Notizbuch der Münchner Scouting-Riege. Somit erlag Altintop, trotz mehrfacher hochdotierter Angebote aus der Türkei, der nicht weniger gut aufgehübschten Vertragsofferte der Münchner Bayern. Hier trat er in die Fußstapfen von "Brazzo" Salihamidzic und agierte für insgesamt vier Jahre als Allrounder auf der rechten Seite. Stets solide, immer da wenn man ihn brauchte. Nach zwei deutschen Meisterschaften und zwei DFB-Pokalsiegen sowie dem Vize-Titel in der Champions League 2010, heuerte der Deutsch-Türke in Madrid an. In der Fußballwelt stieß diese Verpflichtung auf Unverständnis. Kaum einer traute Altintop den großen Schritt zu, sich im Madrider Starensemble einen Platz in der Mannschaft zu erkämpfen. Zu allem Überfluss erschwerte dieses Vorhaben eine langwierige Verletzung, während dieser Altintop angeblich sogar auf sein Gehalt verzichtete. Anders als bei den Bayern, wo er auf 63 Bundesliga-Partien kam, fand er sich regelmäßig auf der Tribüne des Estadio Santiago Bernabéu wieder. Insgesamt sollte der Rechtsfuß nur fünf Ligapartien absolvieren. Immerhin stand am Ende einer verkorksten Saison der Gewinn der nationalen Meisterschaft. Kaum war das Transferfenster in diesem Sommer geöffnet, war es dann wieder so weit: Die Gerüchteküche brodelte. Der 29-Jährige stünde kurz vor einem Engagement in der Türkei. Würde Altintop dem Buhlen der heimischen Klubs erneut widerstehen können? Diesmal nicht: Letzte Woche überwies Galatasaray Istanbul, trainiert von Altintops Ziehvater Fatih Terim, drei Millionen Euro auf das Konto der Madrilenen für die Dienste des türkischen Nationalspielers. In der geschichtsträchtigen Metropole unterschrieb er einen Vertrag bis 2016. Es ist das erste Mal, dass Altintop seine Fußballstiefel für einen türkischen Fußballverein schnürt. Nun ist Hamit endlich "Zuhause" in der Türkei angekommen. Da, wo er seit Beginn seiner Karriere immer hingeschrieben wurde.

18. Juli 2012

Wo bleibt der Dialog?

Politik und Sport: Immer wenn diese beiden Komponenten zusammen kommen, wird es brenzlig. So auch gestern wieder, als unser Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit den Vertretern der Profiklubs in Deutschland über die Sicherheit in den Stadien diskutierte. Horrorvisionen zur Lösung des Gewaltproblems standen im Raum, beispielsweise wurde im Vorfeld über die Abschaffung von Stehplätzen diskutiert oder über lebenslanges Stadionverbot. Auch stand zur Debatte, dass in Zukunft die Vereine für das Polizeiaufgebot in den Stadien aufkommen sollen - was für viele finanziell nicht machbar gewesen wäre. Doch, wie so oft, wenn Politiker am Werke sind, waren die Drohungen im Vorfeld nur heiße Luft. Jegliche Sorge blieb unbegründet, keines der angedachten Verbote wurde - glücklicherweise - in die Realität umgesetzt. Stattdessen verabschiedeten Rauball und Co  einen Maßnahmenkatalog, welcher unter anderem  Stadionverbote bis zu zehn Jahre, eine deutliche Abneigung gegenüber Pyrotechnik und drastischere Geldstrafen vorsieht.
Wichtiger wäre es aber wohl gewesen, endlich auch Fanvertreter hinzuzuziehen, um einen konstruktiven Dialog anzuberaumen. Im Frühjahr zeigten doch Fankongresse, dass es auch anders geht, dass Szenen wie in Frankfurt, Dresden, Düsseldorf oder Karlsruhe nicht der Bundesliga-Alltag sind. Es stellt sich, nach dem gestrigen Treffen die Frage: Hat dieser Sicherheitsgipfel überhaupt etwas zur Lösung der Probleme in den Stadien beigetragen? Wahrscheinlich nicht. Denn am Ende sind es die Anhänger der Vereine, die auf der einen Seite das Problem sind, auf der anderen Seite aber auch durch gezügelte Emotionen und euphorische Vernunft über die Lösung des Problems entscheiden. Um zu einer Lösung zu kommen, ist ein Dialog zwischen Fans und Funktionäre unumgänglich. Man hätte die Fanvertreter jetzt schon ins Gespräch mit einbeziehen müssen.

[Bild: Tobias Ilg]