9. September 2012

Maue Chancenauswertung, fehlende Alternativen

Kaum hat die Bundesliga begonnen, schon pausiert sie wieder. Grund dafür ist ein Doppel-Länderspiel der Nationalmannschaften. Die deutsche Elf traf am vergangenen Freitag auf die Färöer-Inseln. Das Spiel wurde ohne größeren Aufwand 3:0 gewonnen. In Hannover trafen für die deutsche Elf Mario Götze sowie zweimal Mesut Özil. Für den Legionär von Real Madrid war diese Partie Balsam auf die geschundende Seele. Özil agierte frisch und agil, spielte den ein oder anderen gefährlichen Pass und erzielte, wie erwähnt, das zweite und das dritte Tor des Spiels. Joachim Löw stellte im Vergleich zu den vergangenen Spielen auf ein 4-1-4-1-System um. Das Tor hütete Manuel Neuer. In der Innenverteidigung agierten Per Mertesacker und Mats Hummels, links ersetze Holger Badstuber den Dortmunder Marcel Schmelzer, rechts verteidigte Philipp Lahm, der diese Position nun auch in Zukunft bekleiden soll. Vor der Abwehr räumte Sami Khedira ab; vor ihm von links nach rechts Marco Reus, Mario Götze und Mesut Özil sowie Thomas Müller. Als alleinige Sturmspitze versuchte sich Miroslav Klose. Dieser war der einzige echte Stürmer im Aufgebot der deutschen Mannschaft. Diese Tatsache, sowie die teilweise mangelhafte Chancenauswertung in der Partie - allein in den ersten 25 Minuten hätte es bereits 6:0 stehen können - offenbarte die derzeit prekärste Position des Nationalteams: die des Stürmers. Klose, bereits 34 Jahre alt, wird nur noch in naher Zukunft mitwirken, spätestens nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ist Schluss. Mario Gomez, mit wettbewerbsübergreifend 104 Toren treffsicherster deutscher Stürmer in den letzten drei Jahren, wird fehlendes spielerisches Vermögen vorgeworfen, was ihn nicht unbedingt als bestgeeignetesten Stürmer für das Löw'sche System da stehen lässt. Die Zeit von Cacau scheint abgelaufen, Stefan Kießling hat bisher noch keine richtige Chance bekommen. Ob Mike Hanke oder Jan Schlaudraff nochmals berufen werden, deutet sich ebenso nicht an. Patrick Helmes, der vor der Europameisterschaft ins Gespräch gebracht wurde, fällt noch mindestens fünf Monate mit einem Kreuzbandriss aus. Noch ohne Länderspielerfahrung, aber bereits zu alt für die U21-Junioren sind Julian Schieber und Nils Petersen. Beide werden sich jedoch vorerst in der Bundesliga beweisen müssen. Aus den Juniorenmannschaften kämen derzeit Niclas Füllkrug von Werder Bremen, Kevin Volland aus Hoffenheim sowie der Nürnberger Sebastian Polter und Peniel Mlapa aus Gladbach in Frage. Ebenfalls eine Alternative wäre der 19-jährige Samed Yesil, der gerade von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool in die Premier League gewechselt ist. Für sie gilt ebenfalls, sich erst in ihren Vereinen und im Ligabetrieb zu beweisen.
Gegen die Färöer war sicherlich auch die tolle Leistung des Torhüters Gunnar Nielsen von Manchester City verantwortlich dafür, dass die Torausbeute nicht im Verhältnis zu den Chancen stand. Jedoch scheint die Position des Stürmers diejenige zu sein, auf der es in absehbarer Zeit am meisten Bedarf geben wird. Angst müssen die Verantwortlichen und die Fans jedoch nicht unbedingt haben: Vor einigen Jahren gab es im Nationalteam beispielsweise kaum einen geeigneten Spieler, der für die Position des Spielmachers in Frage kam. Heute duellieren sich hier mindestens drei potenzielle Stammkräfte: Özil, Kroos und Götze. Vielleicht gilt dies ja auch in Zukunft für die Stürmerposition.

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7. September 2012

Aufgewärmte Gerüchte

Bereits Anfang des Jahres machten Gerüchte über einen möglichen Transfer des polnischen Torjägers Robert Lewandowski zu Bayern München die Runde. Nach der Europameisterschaft, einer von Borussia Dortmund abgelehnten Offerte und der Verpflichtung von Mario Mandzukic erledigten sich die Transferbemühungen beider Seiten. Zumindest vorerst. Die Spekulationen um einen Transfer des Stürmers in die bayrische Metropole wurden gestern jedoch neu entfacht - und zwar von Lewandowski selbst! Dieser äußerte, dass er offen und gesprächsbereit gegenüber einer erneuten Anfrage der Bayern sei. Eine solche sei "immer interessant, und man muss sich damit beschäftigen. Das ist ein so großer Klub". Der 24-Jährige führte fort, dass er "noch zwei Jahre einen Vertrag" besitze, was eine "lange Zeit" sei. Er müsse nicht heute entscheiden, ob er verlängere oder nicht. Der BVB versucht seit einiger Zeit den Vertrag von "Lewa" zu verlängern.
Plant Lewandowski etwa seinen Abschied von der Borussia? Neben den Bayern interessierte sich auch Manchester United für die Dienste des Knipsers. Diese haben mittlerweile jedoch Robin van Persie unter Vertrag genommen. Auf der Ersatzbank finden sich zudem klanghafte Namen wie beispielsweise Wayne Rooney und Chicharito. Ähnlich sieht es allerdings auch beim FC Bayern aus. Neben dem eigentlich gesetzten Mario Gomez, der allein in den letzten zwei Spielzeiten 54 Tore in der Liga schoss, gesellten sich in diesem Sommer Routinier Claudio Pizarro und der spielstarke und in den ersten zwei Partien stark auftrumpfende Mario Mandzukic hinzu. Bedarf es mit diesen drei Spitzen für eine Position überhaupt noch einer Lewandowski-Verpflichtung? Eher nicht - und wenn überhaupt, dann erst zur nächsten oder gar übernächsten Saison.

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5. September 2012

Die "traurige Prinzessin"

Freistoß. Ein Mann läuft zum Ball. Er legt diesen punktgenau auf die Grasnarbe. Nimmt maßgeschneiderte fünf Schritte Anlauf und spreizt die Beine. Nachdem Ronaldo den Pfiff des Schiris abwartet, sprintet er dem Ball entgegen, feuert ihn auf das gegnerische Tor, trifft und jubelt frenetisch.
Kaum einer kennt diese Art von Szene nicht. Zu oft konnte man sie bereits in den Stadien sehen. Cristiano Ronaldo: Ein Exzentriker per excellence auf dem Fußballfeld, allerdings auch ein sehr guter Kicker. Ronaldo, Jahrgang 1985, errang englische und spanische Meisterschaften, Pokal- und Champions League-Siege mit Manchester United und Real Madrid. Er erhielt die Auszeichnungen Fußballer des Jahres in England, wurde Europas Fußballer des Jahres und Weltfußballer. Ronaldo wurde Torschützenkönig und Gewinner des Goldenen Schuhs. In den letzten drei Spielzeiten für Real Madrid schoss er knapp 150 Tore. Die ersten Gehversuche des Portugiesen erfolgten bei Nacional Funchal; mit 12 Jahren dann der Wechsel zu Sporting Lissabon. Bei einem Testspiel der Leões gegen Manchester United brillierte Ronaldo so sehr auf den Flügeln, dass sich der Coach der Red Devils Sir Alex Ferguson verpflichtet sah, diesen Mann unter Vertrag zu nehmen, um somit einen Nachfolger für den nach Madrid abgewanderten David Beckham zu formen. Der Transfer des Mannes mit der Nummer 7, welche bereits Größen wie Best, Cantona und eben jener Beckham vor ihm trugen, erwies sich als Volltreffer. Ronaldo sollte bald in einem Atemzug mit den zuvor erwähnten ManUnited-Legenden genannt werden. Real Madrid beäugte die Entwicklung des beidfüßigen Dribblers intensiv. Bereits zwei Jahre nach seinem Wechsel zu Manchester versuchten die Madrilenen Ronaldo abzuwerben. Doch sollte es ihnen erst 2009 gelingen - mit dem unglaublichen Rekordablösebetrag von 94 Millionen Euro. Ronaldo füttert allerdings nicht nur die Inhalte der Sportmagazine. Vermehrt berichten Boulevardblätter über seine Frauengeschichten, seinen Reichtum, seine Prollerei, sein uneheliches Kind, gar über seinen alkoholkranken Vater, welcher an den Folgen der Sucht starb. Statt im Flutlicht, sonnt er sich gerne mal in der Sonne der Kanaren; statt mit dem Teambus die Mautstationen Spaniens zu passieren, braust er gerne mit dem Ferrari über die Straßen und statt dem Trikot von Real trägt er gelegentlich nur eine Unterhose eines bestimmten Designers. All das gehört zu seinem Glamourleben.
Um die Gazetten auch in der Länderspielpause zu füllen, hat sich der 27-Jährige nun etwas ganz besonderes ausgedacht. Er sei aus gewissen Gründen sehr traurig. Man könne über alles reden. Kaum waren diese Worte gesprochen, überschlugen sich die Fachgazetten: Verlässt Ronaldo die "Königlichen? Wechselt er zu Manchester City oder zu Paris St. Germain? Angeblichen bereiten die Citizens bereits eine 120 Millionen Euro-Offerte, mit einem Wochengehalt von über 250 000 Euro vor. Doch Geld spiele bei seinen Beweggründen keine Rolle: "Ich werde beschuldigt, mehr Geld zu wollen, aber eines Tages wird sich herausstellen, dass dies nicht der Fall ist", so der Halbstürmer via Facebook. Vermutlich wird der Portugiese schlussendlich bei Real bleiben. Ihm war wohl nur die gestiegene Aufmerksamkeit für Mourinhos Wunschneuzugang Luka Modric etwas zu viel geworden. Der kroatische Mittelfeld-Star dominierte in den letzten vier Wochen aufgrund seines komplizierten Transfers die Schlagzeilen der Sportblätter in ganz Europa. Eines muss man der "traurigen Prinzessin", wie einige spanische Medien Ronaldo nannten, jedoch lassen: Er weiß es verdammt gut, sich in Szene zu setzen.

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4. September 2012

Der Transferwahn und seine Grenzen

Der Transfermarkt schien schon abgegrast, da schlug Zenit St. Petersburg noch einmal richtig zu. Neben dem belgischen Nationalspieler Axel Witsel, der für 40 Millionen von Benfica Lissabon kommt, wechselt auch Ausnahmestürmer Hulk nach Russland. Satte 55 Millionen legt Zenit für den jungen Brasilianer auf den Tisch, ermöglicht durch das Verhandlungsgeschick von Dietmar Beiersdorfer, nicht zuletzt aber auch aufgrund von vielen, vielen Gazprom-Dollars. Hulk war sich eigentlich vor einigen Wochen bereits mit Chelsea über einen Wechsel einig, jedoch zerschlug sich der Transfer an den unterschiedlichen Ablöseforderungen. Der FC Porto untermauert nicht zuletzt mit diesem Verkauf seine Spitzenposition als Ausbildungsverein: Der 25-Jährige ist mittlerweile der 21 Verkauf seit 2001, bei dem eine Ablösesumme von mindestens zehn Millionen Euro generiert wurde.  
Im Transfersummen-Wahnsinnsspiel auf Platz zwei vor St. Petersburg rangiert ebenfalls ein Russe: Roman Abramowitsch und sein FC Chelsea. Seit seiner Übernahme im Jahr 2003 hat der russische Oligarch knapp eine Milliarde Euro in den Klub investiert. In diesem Sommer kamen noch einmal gute 100 Millionen Euro hinzu. Unter anderem wechselten Lucas, Eden Hazard und der ehemalige deutsche Nationalspieler Marko Marin an die Stamford Bridge.
Unangefochten auf Platz Eins thront in Sachen Transferausgaben in diesem Sommer mit knapp 150 Millionen Euro Paris St. Germain. Für diese Summe, Handgelder und Jahresgehälter nicht mit eingerechnet,  lotste der Verein unter anderem Zlatan Ibrahimovic, Thiago Silva, Lucas und Ezequiel Lavezzi in die französische Hauptstadt. Der erste Erfolg ließ jedoch lange auf sich warten: Erst am vierten Spieltag gelang der erste Sieg in der laufenden Saison. 
Den Preis für die meisten Transfers in kürzester Zeit bekommt Manchester City. Hatten die Engländer am 31. August nur einen neuen Spieler unter Vertrag genommen, schlugen sie in den letzten sechs möglichen Transferstunden noch einmal zu wie am Wühltisch während des Sommer-Schluss-Verkaufs. Neben Torhüter Richard Wright, schlossen sich noch Scott Sinclair, Matija Nastasi, Javi García und der brasilianische Rechtsverteidiger Maicon den Citizens an.
Die in Deutschland gezahlten Transfersummen sind dagegen beinahe lächerlich: Mal überwies Borussia Dortmund 17 Mio für Marco Reus, mal Borussia Mönchengladbach 15 Millionen für Luuk de Jong. Nur der FC Bayern München entschied sich in dieser Wechselperiode für eine "verrückte Sache" (O-Ton Matthias Sammer) und überwies 40 Millionen Euro für die Dienste des Mittelfeldspielers Javier Martínez von Athletíc Bilbao. Jedoch fußen all die von Bundesligisten getätigten Transfers auf einem gesunden wirtschaftlichen Fundament - im Gegensatz zu den Wechselspielen der englischen, französischen und mittlerweile auch russischen Vereine. Statt sich wie auf der Spielkonsole Fußballspieler einzukaufen und diese mit Millionen aus den Geldbörsen von Scheichs und Oligarchen zu bezahlen, finanzieren deutsche Vereine ihre Einkäufe aufgrund soliden und klugen Wirtschaftens. Das Projekte à la Manchester City oder Paris St. Germain schiefgehen können, zeigt das Beispiel des FC Málaga. Der ehemalige Eigentümer Scheich Al Thani zog sich nach mehreren teuren Einkäufen vor Beginn dieser Spielzeit zurück und hinterließ einen hochverschuldeten Klub. Nur durch die lukrativen Verkäufe von Santi Cazorla oder Rondón sowie den Abgängen von den Top-Verdienern Joris Mathijsen und Ruud van Nistelrooy konnte eine Pleite abgewendet werden.

In der deutschen Fußball-Bundesliga sind solche Vereinskäufe nicht möglich. Die sogenannte 50+1-Regel, ein Paragraph im Regelwerk der Deutschen Fußball-Liga verhindert, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften, in die so manche Fußballvereine ihre Profimannschaften mittlerweile ausgegliedert haben, übernehmen. Welch' ein Glück, dass wenigstens der deutsche Profi-Fußball dem Transferwahnsinn noch Grenzen setzt. 

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3. September 2012

20 Minuten auf Weltklasseniveau

Den Münchnern gelang auch am zweiten Spieltag ein Sieg: Gegen den VfB Stuttgart gewannen die Roten mit 6:1. Für den Südschlager nahm Trainer Jupp Heynckes bei der Startaufstellung zwei Änderungen vor: Für Frank Ribéry musste der Schweizer Wirbelwind Xherdan Shaqiri auf der Bank Platz nehmen. Den erkrankten Arjen Robben ersetzte Bastian Schweinsteiger. Für den defensiven Mittelfeldmann war es der erste Einsatz von Beginn an in einem Pflichtspiel seit der Niederlage im Champions League-Finale am 19. Mai diesen Jahres.
Die Bayern starteten holprig. Erst parierte Manuel Neuer in Weltklasse-Manier einen Schuss von Stuttgarts Angreifer Harnik, kurz darauf war es wieder der Österreicher, der auf das Bayern-Gehäuse drosch. Dieser Versuch landete im Netz, die Schwaben führten mit 0:1. Dieser Treffer stellte sich als Startschuss für ein wahres Offensiv-Feuerwerk der Münchner heraus. Binnen nicht einmal 20 Minuten netzten die Bayern sechs Mal in das Tor von Sven Ulreich ein. Den Anfang machte der frisch wirkende Thomas Müller. Es folgten Toni Kroos und Luiz Gustavo, der eine engagierte Leistung im Mittelfeld bot, mit sehenswerten Distanzschüssen. Nach der Pause war es Mario Mandzukic, der nach Müller-Vorlage einschob. Das 5:1 durfte die Nummer 25 wieder selbst beisteuern: Nach Flanke von Mandzukic nickte Müller vor dem etwas kleineren Ribéry ein. Den Schlusspunkt nach 51 Minuten setzte Bastian Schweinsteiger: Nach einer butterweichen Flanke von - richtig! - Thomas Müller brauchte der 28-Jährige nur noch seinen Kopf hinhalten. Schweinsteiger absolvierte bis zu seiner Auswechslung in der 77. Minute eine gute Partie auf der Doppelsechs. Mann des Tages war allerdings ein anderer: Thomas Müller erzielte nicht nur zwei Tore selbst, sondern gab bei zwei Buden zudem die Vorlage. Ein Sahnetag für den in Weilheim geborenen Offensivmann, der mit solchen Leistungen aus der ersten Elf derzeit nicht wegzudenken ist. In die Startformation möchte auch Neuzugang Javier Martínez. Auf der Bank verfolgte der Baske sichtlich begeistert das Treiben seiner neuen Kollegen. Eine knappe Viertelstunde vor Spielschluss durfte auch er sich endlich auf dem Platz beweisen. Für seinen zukünftigen Partner im defensiven Mittelfeld eingewechselt, wurde er frenetisch von den 71 000 Zuschauern in der Allianz-Arena empfangen. Beinahe jeder Ballkontakt des Geburtstagskindes wurde bejubelt und Martínez-Sprechchöre hallten durch das große Rund. Ein besseres Geburtstagsgeschenk hätte sich der 24-Jährige wohl nicht vorstellen können. Nur wenige Minuten auf dem Platz genügten, um zu sehen, welchen Wert Martínez in Zukunft für das Münchner Mittelfeld haben könnte. 
Besonders hier herrscht bei den Münchnern ein Überangebot: Konkurrenz belebt das Geschäft. Sind alle Spieler in einer solchen Verfassung wie am gestrigen Sonntag, wird es Jupp Heynckes sehr schwer haben, sich für fünf Spieler für die Startformation im Mittelfeld zu entscheiden.

1. September 2012

Glücksfeen mit Fingerspitzengefühl

Der ehemalige Top-Spieler von Manchester United Denis Law, die Milan-Legenden George Weah und Ruud Gullit sowie Italo-Star Fabio Cannavaro bescherten den Münchnern eine erfüllbare Champions League-Vorrundengruppe. Im ersten Spiel treffen die Bayern auf den CF Valencia. Bei dieser Paarung werden Erinnerungen an den letzten großen Titel auf internationaler Bühne wach, als der FC Bayern gegen die Spanier im Jahr 2001 die Champions League gewann. Die von Mauricio Pellegrino trainierten Katalanen verpflichteten für die neue Saison unter anderem die Spieler Aly Cissokho, Fernando Gago und Sergio Canales. Mit ihnen soll in der neuen Saison der dritte Platz hinter dem dominierenden Duo Real Madrid und der FC Barcelona angestrebt werden. Ein weiterer Konkurrent um den Einzug ins Achtelfinale ist der OSC Lille. Den schmerzhaften Abgang von Offensivmann Eden Hazard versuchen die Franzosen mit Solomon Kalou zu kompensieren. Ebenso neu ist der offensive Mittelfeldspieler Marvin Martin. Auch im Kader steht der französische Rechtsverteidiger Mathieu Debuchy, an dem in der vergangenen Transferperiode angeblich auch die Bayern interessiert waren. Last but not least der weißrussische Vertreter BATE Borisov. Der wohl bekannteste Name im Team des Rekordmeisters ist Aliaxandr Hleb, der unter anderem für den VfB Stuttgart und den VfL Wolfsburg in der Bundesliga die Stiefel schnürte. 
BATE, was für Borisov Automobil- und Traktor-Elektronik steht, dürfte als Außenseiter in dieser Gruppe gelten. Zu schwach ist das Team von Viktor Goncharenko im Gegensatz zu den anderen Vereinen. Die Katalanen aus Valencia sowie Lille dürften sich einen heißen Kampf um Platz zwei in dieser Gruppe liefern. Hier wird wohl das direkte Duell dieser beiden Teams den zweiten Achtelfinalkandidaten ermitteln, da der Gruppensieg scheinbar für die Münchner reserviert scheint. Sollten die Bayern ihre gute Frühform in der noch jungen Saison bestätigen, dürfte die Qualifikation des Vizemeisters der Bundesliga für die Runde der sechzehn besten Mannschaften in Europa nur Formsache sein. Zu den bisher aufgelaufenen Akteuren bei den Münchnern stoßen noch die Verletzten Alaba, Schweinsteiger und Gomez sowie Neuzugang Javi Martínez, der nach einigen Wochen Eingewöhnungszeit mit großer Sicherheit einen Platz in der ersten Mannschaft finden wird. Die Verantwortlichen sehen es ähnlich. Matthias Sammer sieht in der Gruppe "ein mittelschweres Los". Die Zielstellung sei klar definiert: "Wir wollen in die nächste Runde - und zwar als Erster", so der Sport-Vorstand. Trainer Jupp Heynckes sieht es etwas vorsichtiger. Es sei "eine machbare Gruppe - auf dem Papier".
Die Losfeen verrichteten - zumindest für den FC Bayern - einen guten Job. Somit ist die Grundlage gelegt, um den Henkelpott aus London zurückzuholen!

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30. August 2012

Es ist vollbracht!

Es ist vollbracht: Nach monatelangem Tauziehen gab der FC Bayern München gestern die Verpflichtung des spanischen Nationalspielers Javier Martínez bekannt. In den letzten Wochen war der junge Spanier wahrscheinlich der meist diskutierteste Fußballer in Deutschland. Kaum ein Experte (bzw. jemand der sich dafür hält), Trainer, Spieler oder Funktionär äußerte sich nicht zum anstehenden "Rekordtransfer", egal ob sie Lothar Matthäus, Thomas Berthold, Bernd Schuster oder weiß-der-Kuckuck-wie hießen. Martínez, der die stolze Summe von 40 Millionen Euro kostet und somit Mario Gomez als Rekordtransfer bei den Münchnern und Edin Dzeko in der Bundesliga ablöst, unterschrieb nach dem obligatorischen Medizincheck einen bis 2017 datierten Vertrag.
Der Baske, der sich mit seinen jungen Jahren Welt- und Europameister nennen darf und bereits 201 Partien in der Primera División absoviert hat, entschied sich schon kurz nach bekannt werden der ersten Offerte für einen Transfer in die bayrische Landeshauptstadt. Für die Realisierung des Transfers verzichtet Martínez wohl sogar auf bis zu zehn Millionen Euro Gehalt. Der FC Bayern sei für ihn "eine der zwei, drei besten Mannschaften der Welt". Somit waren die Verhandlungen mit dem Spieler recht zügig abgeschlossen, jedoch aber nicht mit seinem ehemaligen Verein Athlétic Bilbao. In Person des Präsidenten Urrutia demonstrierten die Basken Sturheit in Reinform. Man wolle den Spieler nicht abgeben und keinesfalls mit dem FC Bayern verhandeln. Doch eine sogenannte "Buy-Out-Klausel" im Vertrag des 23-Jährigen machte einen "komplizierten Transfer" (O-Ton Rummenigge) möglich. Neben den Anstrengungen von Matthias Sammer, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner, der unter der Woche seinen 60. Geburtstag feierte, ist es wohl besonders Justitiar Dr. Michael Gerlinger zu verdanken, dass sich Martínez selbst  - ausgestattet mit einem 40 Millionen Euro Scheck - beim spanischen Fußballverband freikaufen und somit seinen Traum, wie er später via fcb-TV sagen wird, verwirklichen konnte. Auch die Münchner geizten bei der Vorstellung ihres neuen Sechsers, der in der Arena am Kurt-Landauer-Weg zukünftig mit der Nummer 8 auflaufen wird, nicht mit Komplimenten: Trainer Jupp Heynckes, der mit seinen Spanischkenntnissen sicherlich einiges für die reibungslose Integration Martínez' beitragen wird, attestierte seinem neuen Schützling Autorität und Persönlichkeit. Er verkörpere "genau den Typ, den man im modernen Fußball auf der Position" bräuchte. Der spanische Nationalspieler verfüge über "großes Defensivpotential" und ein "überragendes Kopfballspiel". Zudem könne Martinez "ein Spiel lesen". Dem Spielaufbau der Münchner werden diese Fähigkeiten sicherlich gut tun, besonders, da Bastian Schweinsteiger nach Verletzung noch nicht in Top-Form agiert. Martinez, so Heynckes letzte Worte, sei ein "wichtiger Mosaikstein" in der Mannschaft des FC Bayern. Auch Matthias Sammer, der mit Martinez seinen ersten eigenständigen Einkauf als Sport-Vorstand der Münchner tätigte, schlug in die gleiche Kerbe und unterstrich, dass der 23-Jährige "sportlich und charakterlich genau in unser Anforderungsprofil" passe. Zudem zeigte der Spanier, so Sammer,  "eine große Bereitschaft" nach München zu wechseln, was auch die Ablösezahlung legitimiere.
Ob Javier Martinez, der nach Bixente Lizarazu der zweite Baske und der erste Spanier überhaupt in der Vereinshistorie ist, am kommenden Sonntag gegen den VfB Stuttgart zu seinem ersten Einsatz für die Bayern kommt und somit gleich seine Heimpremiere feiern darf, ist noch nicht sicher. Er jedoch "brenne darauf, dass es losgeht", "verspüre eine unglaubliche Lust, das Spielfeld zu betreten" und sich "für den FC Bayern einzusetzen". Der Defensivspezialist "möchte trainieren" und "möchte spielen" und somit "so schnell wie möglich zum Erfolg der Mannschaft beitragen". Sympathisch ist der junge Neuzugang schon einmal - hoffen wir, dass er sich auf dem Platz mindestens genau so gut präsentiert wie abseits des Grüns: Ongi etorri y bienvenidos, Javi!

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[Bildquelle: Screenshot Startseite Transfermarkt.de]

27. August 2012

Duell mit Geschichte: Die Bayern gegen K'lautern

Die Bayern gegen den 1. FC Kaiserslautern: In der Vergangenheit garantierte diese Partie tolle Duelle, in denen die Münchner nicht selten als Verlierer vom Platz gingen. In der Saison 1991/92 verlor der FCB nicht nur die Punkte (2:1) in Kaiserslautern, sondern auch die Nerven. Provokationen des damaligen Bayern-Jungspunds Stefan Effenberg sorgten für eine bereits im Vorfeld aufgeheizte Stimmung. Nach einem Platzverweis an Bayerns Manfred Bender entbrannte beinahe eine Massenschlägerei: Stefan Kuntz wurde von einem Münchner Betreuer gepackt, Roland Grahammer versah ihn anschließend sogar noch mit einem Tritt in den Allerwertesten. Ein aufgebrachter Zuschauer zog Jürgen Kohler an seinen damals noch sprießenden schwarzen Haaren und der scheinbar immer in sich ruhende Jupp Heynckes checkte einen Ordner mit seinem Knie um. Dies war nur eine von vielen furiosen Partien. 1994 beispielsweise wurden die Bayern mit 4:0 aus dem Fritz-Walter-Stadion geprügelt. 1997 setzte es eine 0:1-Niederlage gegen den von Otto Rehhaggel trainierten und als Underdog gehandelten Aufsteiger. Am Ende wurden die Kaiserslauterer gar Deutscher Meister. Unvergessen an oberster Spitze steht jedoch die Partie von 1973, als die Bayern nach 0:3-Führung noch 7:4 in Kaiserslautern verloren. Dreifach-Torschütze war der Lauterer Josef Pirrung, der nach dieser Partie sogar ein an ihn herangetragendes Transferangebot der Münchner abgelehnt haben soll. Paul Breitner sagte nach einer erneuten Niederlage auf dem Betzenberg sogar, man könne "die Punkte künftig per Post" in die Pfalz senden. Die Furcht vor einem Duell mit den Lauterern ging sogar so weit, dass der angesprochene Breitner und der damalige Stürmer Karl-Heinz Rummenigge immer die Augen schlossen, wenn der Mannschaftsbus der Bayern am bronzenen Teufel vor dem Stadion vorbeifuhr.

Zu einer erneuten Auflage in der Bundesliga wird es in dieser Saison nicht kommen: Die "Roten Teufel" mussten im Mai den Gang in die Zweite Liga antreten. Doch glücklicherweise gibt es den DFB-Pokal und in diesem stehen sich beide Mannschaften Ende Oktober in der 2. Hauptrunde gegenüber. Ob dann wieder so viele Tore fallen, wie vor 39 Jahren?

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[Bildquelle: Screenshot verlinktes Youtube-Video]

26. August 2012

Auftakt nach Maß

"Souverän, clever und klug." So beschrieb Trainer Jupp Heynckes nach dem gestrigen 0:3-Sieg des FC Bayern gegen die SpVgg. Greuther Fürth die Leistung seines Teams. Durch die Tore von Thomas Müller, Mario Mandzukic und Arjen Robben starteten die Münchner mit einem Erfolgserlebnis in die neue Saison. Heynckes nahm zwei Veränderungen an der siegreichen Elf gegen Jahn Regensburg vor: Franck Ribéry musste mit einer fiebrigen Erkältung das Bett hüten, für ihn wirbelte Xherdan Shaqiri. Emre Can fand sich auf der Ersatzbank wieder, an seiner Stelle rückte Dante in die Verteidigung, Badstuber versuchte sich als linker Außenverteidiger. Der brasilianische Neuzugang war es, der bei gut aufspielenden Bayern am meisten hervorstach. Stets dirigierend und ordnend, sorgte vorallem er dafür, dass die Fürther nie gefährlich vor das Tor Manuel Neuers kamen. Mit einer solchen Körpersprache drängt sich Dante beinahe als neuer Abwehrchef auf. Wie schon in den letzten Wochen zeigte auch Neuzugang Shaqiri eine engagierte Leistung. Der Schweizer leitete das 0:2 wunderbar ein und rieb sich auch sonst im Angriff immer wieder auf. Pluspunkte im Konkurrenzkampf mit Mario Gomez sammelte Namensvetter Mandzukic. Mit einem Abstaubertor in der 59. Minute bewies er seine Torjägerqualitäten. Besonders stark war auch Arjen Robben: Wie zu besten Zeiten suchte der Niederländer immer wieder den Weg vors Tor und bereitete so das 0:2 vor. Der ehemalige Torhüter der Münchner Reserve Max Grün war es, der den ein oder anderen Versuch des Flügelstürmers entschärfte. Beim 0:3 durch Robben war dieser aber, auch dank Mithilfe von Fürth-Verteidiger Kleine, machtlos. Etwas uninspiriert zeigte sich die Münchner Doppel-Sechs. Toni Kroos und Luiz Gustavo spielten zwar solide, ließen aber schnelles Umschalten und mehr Teilnahme am Offensivspiel vermissen. Für beide könnte es eng werden, wenn Bastian Schweinsteiger wieder vollends fit ist oder aber gar Javier Martinez noch den Weg an die Isar findet. Sechs Tage haben die Münchner noch Zeit, um ihren Wunschkandidaten zu verpflichten. Für Anatoly Timoschtschuk könnte dies das Ende bedeuten. Angeblich steht der Ukrainer auf der Liste von Dynamo Kiew, welche fünf Millionen Euro Entschädigung bieten. Gegen Greuther Fürth erhielt der 33-Jährige noch einige Minuten Einsatzzeit.

"Das Wichtigste für uns ist, dass wir stabil bleiben, dass wir uns weiter verbessern und gleich am Anfang eine Serie hinlegen. Wir haben jetzt zwei Heimspiele und hoffentlich zwei weitere Siege", so Arjen Robben, der somit gleich die Erwartungen an die nächsten zwei Spieltage stellte. Die erste Partie der Jubiläumssaison war schon einmal ein guter Anfang. Gegen den VfB Stuttgart am kommenden Sonntag können die Münchner ihre gute Frühform bestätigen.

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24. August 2012

Wo war eigentlich der SC Freiburg bei der Bundesliga-Gründung?


Der SC Freiburg startet am morgigen Samstag im heimischen Dreisam-Stadion gegen den FSV Mainz 05 in die 50. Bundesliga-Saison. Von dieser waren die Breisgauer 1963 noch Lichtjahre entfernt. Statt mit dem Hamburger SV, Borussia Dortmund oder 1860 München in der ersten Liga zu spielen, stand der Verein im Jahr der Bundesligagründung kurz vor dem Abstieg in die 2. Amateurliga Südbaden. Erst im Jahr 1993 gelang dem SCF mit dem zwei Jahre zuvor verpflichteten Chefcoach Volker Finke der Aufstieg ins Oberhaus. Nach einem schwierigen ersten Jahr in der Bundesliga und dem knappen Klassenerhalt folgte 1995 der bislang größte Erfolg: Tabellenplatz 3 und die Teilnahme am damals noch so genannten UEFA-Pokal. Die Breisgau-Brasilianer waren geboren. In der gleichen Saison wurde Meisterschaftsfavorit Bayern München mit 5:1 aus dem Dreisam-Stadion gefegt. Wer erinnert sich nicht noch an den feinen Techniker Rodolfo Cardoso? An die Kämpfer Jörg Schmadtke, Andreas Zeyer oder „Uuuuuwe“ Spieß? Nicht zu vergessen Knipser Harry Decheiver, der in der Saison 1995/96 elf Tore erzielte und drei Buden vorbereitete?

Die folgenden Spielzeiten waren geprägt von Auf- und Abstiegen. Im Stile einer Fahrstuhlmannschaft pendelte der SC zwischen der Zweiten in die Erste Liga. Seit der Zweitliga-Meisterschaft und dem daraus resultierenden Aufstieg 2009 jedoch hat sich das Team unter den besten 18 Mannschaften Deutschlands etabliert. Es folgte im ersten Jahr ein eindrucksvoller 9. Platz unter Robin Dutt und die Entdeckung einer der vielversprechendsten Stürmer im europäischen Fußball: Pappis Demba Cissé. Nach 65 Spielen und sensationellen 37 Toren in der Bundesliga wurde Cissé Anfang 2012 für zwölf Millionen Euro nach Newcastle transferiert. Der in dieser Saison drohende Abstieg wurde trotz dieses schwerwiegenden Abgangs imposant abgewendet. Mit tollem Fußball gelang es den Freiburgern um Trainer Christian Streich die Klasse zu halten. Mit der Euphorie der letzten Rückrunde und einem hungrigen Team aus jungen talentierten Spielern soll dies auch in diesem Jahr gelingen, um die heute beginnende Jubiläumssaison mindestens auf dem 15. Tabellenrang abzuschließen.

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[Foto: Tobias Ilg]

23. August 2012

Der Startschuss der Bundesliga

Morgen wird mit der Partie Werder Bremen gegen Borussia Dortmund die 50. Bundesliga-Saison angepfiffen. Auch vor 49 Jahren trafen diese beiden Mannschaften aufeinander. Zeit, sich an den Mann zu erinnern, der das erste Tor der Bundesliga-Geschichte schoss.

Wir schreiben das Jahr 1963. Der erste Spieltag der neugeschaffenen Bundesliga wird am Samstag den 24. August angepfiffen. Nach nicht einmal einer Minute, genauer nach 58 Sekunden, reißen die ersten Sportbegeisterten die Hände in die Höhe: Das erste Tor ist gefallen. Torschütze war Friedhelm Konietzka, der das runde Leder für seine Borussia aus Dortmund in die Maschen des Bremer Gehäuses drosch. Es war ein Treffer von insgesamt 72 die der Stürmer schießen wird, doch haftet an diesem der Nimbus des ersten Treffers der Geschichte der Bundesliga. "Timo" Konietzka, versehen mit diesem Spitznamen aufgrund der Ähnlichkeit zum sowjetischen General Timoschenko, wurde 1938 in Lünen geboren. Mit 22 Jahren unterschrieb er, für ein Salär in Form eines Familienwagens, bei Borussia Dortmund. Hier reifte er zu einem der besten Stürmer Westdeutschlands. 1965 dann der Wechsel zu den Münchner Löwen, mit denen er 1966 die Deutsche Meisterschaft gewann. Nach 100 Bundesliga-Partien kehrte Konietzka der Heimat den Rücken und wechselte, trotz angeblichen Angeboten von Real Madrid und Inter Mailand, zum FC Winterthur in die Schweizer Nationalliga B. Auch im Nationalteam ließ sich seine Quote sehen: In neun Länderspielen unter Sepp Herberger und Helmut Schön traf er drei Mal. Nach seiner aktiven Spielerlaufbahn arbeitete Konietzka als Trainer, unter anderem bei Borussia Dortmund und Bayer Uerdingen. Seine größten Erfolge aber feierte er in der Schweiz. Hier wurde er Mitte der Siebziger mehrfach nationaler Fußballmeister. 1988 nahm der Wahlschweizer die eidgenössische Staatsbürgerschaft an und betrieb fortan einen Gasthof in seiner neuen Heimat Brunnen. Um 2010 erkrankte Konietzka am unheilbaren Gallensteinkrebs. Bereits in der Vergangenheit wurde er mit nicht heilbaren Krankheiten konfrontiert: Seine Mutter litt an Demenz, seine Schwester starb jung an Krebs. Diese Erfahrungen ließen in "Timo" Konietzka den Wunsch aufkommen, selber den Zeitpunkt für sein Ableben zu bestimmen. Dies offenbarte er in einem Interview mit einer Schweizer Boulevard-Zeitung. Möglich war dies nur in der Schweiz, wo das betreute Sterben, im Gegensatz zu Deutschland, seit 1918 erlaubt ist. Konietzka engagierte sich von nun an vermehrt für die Sterbehilfe, genauer für die Schweizerische Sterbehilfeorganisation Exit. Diese war es auch, die ihm am 12. März diesen Jahres, im Alter von 73 Jahren, seinen letzten Wunsch erfüllte - freiwillig und zu einem von Konietzka gewählten Zeitpunkt aus dem Leben zu scheiden. Nicht nur, aber besonders wegen diesen ersten Tores wird "Timo" Konietzka immer ein Platz in der eindrucksvollen Bundesliga-Historie sicher sein. 

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[Bildquelle: Screenshot verlinktes Youtube-Video, 2'15]

22. August 2012

Baskische Sturheit

Auch heute gab es keine positiven Neuigkeiten in Sachen Javier Martinez. Der Wechsel des spanischen Nationalspielers zum FC Bayern München entwickelt sich allmählich zur Farce. Nachdem in den letzten Tagen bereits von einem sicheren Wechsel auszugehen war, könnte der Transfer neun Tage vor Schließen des Transferfensters noch platzen. Grund dafür ist der engstirnige Präsident Josu Urrutia von Athletic Bilbao, der seinen Schützling einfach nicht gehen lassen will. Und das, obwohl dieser unbedingt nach München wechseln, ja sogar auf acht bis zehn Millionen Euro bei seinem Gesamtsalär auf fünf Jahre gesehen verzichten und sich selbst, mit der sogenannten Buy-Out-Klausel freikaufen möchte. Auch Trainer Marcelo Bielsa plant nicht mehr mit dem Defensivspezialisten. Statt mit dem Team, absolvierte Martinez, wie sein Kollege Fernando Llorente, der ebenfalls einen Wechsel anstrebt, eine gesonderte Trainingseinheit. Für das nächste Pflichtspiel dieser Saison am morgigen Donnerstag gegen HJK Helsinki im Rahmen der Europa League-Qualifikation hat Bielsa - wie schon am ersten Spieltag der Primera Division - keine Verwendung für Martinez. Er benötige Spieler, die physisch und vor allem psychisch auf der Höhe seien. Auch die Anhänger Bilbaos wollen ihren einstigen Lieblingsakteur wohl nicht mehr im eigenen Trikot sehen. Plakate mit der Aufschrift "Martinez, du Söldner" sprechen eine eindeutige Sprache.

Die Basken zeigen sich nicht nur stolz, sondern auch noch stur. Eine Rückkehr Martinez' in den Kader oder gar auf das Spielfeld würde einem Gang nach Canossa gleich kommen. Zu emotional reagierten die Verantwortlichen wie auch die Fans und zu eindeutig bekannte sich der Europameister von 2012 zum FC Bayern. Das Festhalten Urrutia ist nicht nur engstirnig und egoistisch (angeblich stehen im Herbst Präsidentschaftswahlen bei Athlétic an), es spricht auch für den Wert Javis als Führungsspieler und Star der Truppe. Was nützen dem Verein 40 Millionen Euro, wenn kein adäquater, baskischer Spieler auf dem Markt ist, der Martinez ersetzt? Zur Erinnerung: Für Athlétic Bilbao laufen seit jeher nur Spieler auf, die im Baskenland geboren sind. Auch, den Abwanderungswilligen aus den eigenen Reihen zu ersetzen, ist kurzfristig nicht möglich. Es wird wohl Jahre dauern, bis wieder ein Spieler den Sprung in die erste Mannschaft Bilbaos schafft, der nicht nur die Position, sondern auch die Klasse mit Martinez teilt. Vielleicht ist dieses Argument das einzige, was einigermaßen plausibel erscheint und das Beharren Urrutia auf einen Verbleib seines Schützlings erklärt.

Die Bayern im Clinch mit Bilbao: Auch eine juristische Auseinandersetzung und eine Anzeige bei der FIFA mit einem möglichen zweijährigen Transferverbot sind nicht mehr ausgeschlossen. Für die Münchner eine bekannte Situation. War es doch auch der baskische Traditionsklub, der 1997 den Transfer von Bixente Lizarazu mit allen Mitteln zu verhindern versuchte. Statt den damals gebotenen 7,2 Millionen Mark, beharrte Bilbao auf  eine Ablösezahlung von 12 Millionen. Die Bayern rangen um ihren Wunschspieler für die linke Seite. Der Wechsel wurde erst durch ein FIFA-Gericht entschieden: Die Münchner mussten den gesamten Preis berappen. Eine finanzielle Dreingabe, die sich bezahlt machte. Lizarazu entpuppte sich als einer der wichtigsten und besten Transfers in der Vereinshistorie. Vielleicht sollten die Münchner allein aufgrund dieser Erfahrung wieder für ihren Wunschspieler bis zum Äußersten kämpfen und einen Transfer, wenn auch mit unfeinen Mitteln in Form der sogenannten Buy-Out-Klausel realisieren - auch wenn dies noch kostspieliger wird, als es sowieso schon ist. Die Chancen, dass es sich lohnt, sind ziemlich hoch.

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21. August 2012

Quadratisch, praktisch, gut

Eine weitere Überraschung ist ausgeblieben: Die Bayern schlugen gestern den SSV Jahn Regensburg souverän mit 4:0. Gewinner des Spiels ist Xherdan Shaqiri, der erst zur 2. Halbzeit für Franck Ribéry eingewechselt wurde. Bis zu diesem Spielertausch waren die Münchner zwar dominant - gefühlte 80 Prozent Ballbesitz sprechen für sich -, ließen aber den entscheidenen Willen und die letzte Aggressivität vermissen. So blieb es bei einem guten Dribbling Ribérys, welches Mario Mandzukic in der 32. Minute zum 1:0 vollendete. Erst ab den zweiten 45 Minuten wurde das Spiel besser: Die eingewechselte Schweizer Neuerwerbung Shaqiri brachte mehr Esprit in die Partie und sorgte durch kluges Direktspiel und mit schnellen Flankenläufen für Gefahr. Nach einer Stunde schlenzte er einen Freistoß in den Winkel, nach dem Toni Kroos den ersten Versuch vergab, Schiedsrichter Guido Winkmann aber auf Wiederholung aufgrund eines Handspiels entschied. Die "Shaq-Spiele" waren jedoch noch nicht beendet: In der 80. Minute war es der kompakte Ex-Baseler, der Mandzukic' zweiten Treffer vorbereitete. Sechs Minuten später profitierte Claudio Pizarro von einer Vorlage Shaqiris. Für den Peruaner war es der erste Pflichtspieltreffer nach seiner Rückkehr. Neben dem angesprochenen Shaqiri, überzeugte Mandzukic als Doppeltorschütze. Ebenfalls eine engagierte Leistung zeigte Thomas Müller. Weniger gut präsentierte sich Emre Can. In der Defensive wacklig, in der Offensive nicht vorhanden: Es wird Zeit, dass David Alaba wieder fit wird. Mit einer solchen Leistung reicht es nicht für einen vorübergehenden Stammplatz auf der linken Seite.

Anders dagegen Xherdan Shaqiri: Sein 45-minütiges Werken war eine eindrucksvolle Bewerbung auf einen Stammplatz. Egal ob Müller, Kroos, Robben oder Ribéry: Mit so einer Leistung muss sich Shaqiri vor keinem seiner Konkurrenten verstecken. Die Münchner scheinen gut gerüstet für den Saisonstart bei Greuther Fürth am kommenden Samstag - vermutlich mit einem Xherdan Shaqiri in der Startformation.

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Wunderheilung oder harter Hund?

Vor einigen Tagen wurde berichtet, der Münchner Ersatztorhüter Lukas Raeder hätte sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Beim Regionalliga-Spiel gegen den TSV 1860 Rosenheim hütete der 19-Jährige allerdings wieder das Tor der "kleinen" Bayern. Wunderheilung oder harter Hund? Oder ist die Meldung, die Sport1 in der letzten Woche über den Äther sandte, falsch? Heute legt das Ismaninger Unternehmen nach und meldet, Raeder sei am gestrigen Montag erfolgreich operiert worden. Dennoch habe er am Wochenende zwischen den Pfosten gestanden. Aufgelöst wird das Rätsel wohl erst dann, wenn sich die Bayern offiziell dazu äußern, was sie bis dato noch nicht getan haben.  
Raeder, letztes Jahr mit Schalke 04 A-Jugend-Meister, wechselte im Sommer von den "Knappen" nach München. Hier soll er mit den Profis trainieren, Spielpraxis bei der Amateur-Elf sammeln und so behutsam als Alternative zum deutschen Nationalkeeper Manuel Neuer aufgebaut werden. Nicht nur wegen des identischen Vereinswechsels wird Raeder der "kleine Neuer" genannt. Die Münchner Nummer Eins ist gleichzeitig auch sein Vorbild in Sachen Torwartspiel: "Manuel ist natürlich ein Vorbild, weil er die Torwartrolle so modern interpretiert. Bei der EM hat man wieder gesehen: Es gibt keinen Torwart, der so mitspielt wie Manuel", so der 1,94m große Nachwuchsmann via Vereins-Homepage.
Die Null am vergangenen Samstag konnte Lukas Raeder leider nicht halten: Die Mannen von Trainer Mehmet Scholl trennten sich von den Rosenheimern - durch ein Tor von Christian Derflinger - 1:1 unentschieden. Somit rangieren die Münchner auf dem dritten Tabellenplatz, drei Punkte hinter Spitzenreiter IV Illertissen.

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